180 junge Leute kamen im letzten Jahr in das Haus Manresa. Sie suchten dort nach einer Antwort, wie ihr Leben in der Nachfolge Jesu weitergehen soll.
„Hast Du Sehnsucht, Dein Leben bewusster auf Gott auszurichten? Dann komm und höre den Ruf, der Dir gilt! In der Stille, im Gebet und Gespräch kann ein Gespür dafür wachsen, was der nächste Schritt auf dem Weg ist, damit dein Leben gelingt.“ So werden suchende junge Menschen zwischen 18 und 40 Jahren in einem Informationsfalter des Hauses Manresa angesprochen.
Begleiter auf dem Weg
Eine, die dieses Angebot aufgegriffen hat, ist Erni Baumann. Sie war bereits 30 Jahre alt, als in ihr erstmals der Gedanke anklopfte, ob si nicht in einer Ordensgemeinschaft leben möchte. „Zunächst bin ich über diese Idee ziemlich erschrocken, ich hatte mir mein Leben anders vorgestellt.“ Auch als Erni Baumann die Ausbildung zur Religionslehrerin machte und ihren Job als Verkäuferin aufgab, um in die Schule zu wechseln, war ein Klosterleben für sie kein Thema. Erst nach zwei Jahren in der Schule begann sie diese Frage zu beschäftigen. „Und weil sie sich nicht verscheuchen ließ, sondern immer wieder hochkam, sah ich darin einen Anstoß, mich tiefer damit zu befassen: Was will Gott von mir – und was will ich mit meinem Leben eigentlich anfangen? Ich spürte eine Sehnsucht, bewusster in der Nachfolge Jesu zu leben. Aber die Frage war: Wie?“
Bei einem Orientierungswochenende lernte Frau Baumann den Jesuiten Josef Maureder kennen und erfuhr vom Haus Manresa. „Zunächst habe ich Exerzitien gemacht, dann bin ich immer wieder ins Haus Manresa gekommen, um die nächsten Schritte auf dem Weg zu meiner Berufung abzuklären. Zuerst stand dabei die Frage im Vordergrund, ob ich in einen Orden eintreten soll oder nicht. Später ging es darum, welcher Gemeinschaft ich mich anschließen sollte. Ich habe mir in dieser Zeit immer wieder Orden angeschaut und mich gefragt, ist das der Ort, wo mich Gott haben will und wo ich leben kann?“ Die Gespräche mit P. Maureder waren für sie, so Erni Baumann, eine große Hilfe. Er untertütze sie – auch durch kritisches Hinterfragen –, anstehende Fragen abzuklären, und gab ihr wichtige Hinweise auf ihrer Suche nach der für sie passenden Ordensgemeinschaft. Schätzen gelernt habe sie an P. Maureder auch seine Haltung, dass geistliche Berufung nicht gleich Ordensleben bedeutet, sondern sich in vielen Lebensformen verwirklichen kann. Entscheidend für ihn sei, dass Menschen herausfinden, was Gottes Wille für ihr Leben ist. „Für diese Entdeckungsreise ist er ein wertvoller Begleiter, auch weil er manchmal auf die Bremse tritt,“ findet Erni Baumann: „Als ich ihm gesagt habe, ich möchte jetzt ins Kloster gehen, meinte er: Warte noch. Wenn Gott wirklich will, dass du Ordensfrau wirst, dann will er das auch noch in einem Jahr. Ihm kommt es auf dieses Jahr nicht an, aber für dich ist es wichtig, den Schritt so überlegt als möglich zu tun. Ein Wagnis wird er trotz allem bleiben.“
Dach über der Seele
Vier Jahre lang ist Frau Baumann immer wieder für ein paar Tage im Haus Manresa eingekehrt. Die Möglichkeit zum Gespräch war für sie dabei ebenso wichtig, wie die Atmosphäre der Stille und des Gebetes. „Sie geben dir Raum, Abstand vom Alltag zu nehmen, dein Leben zu ordnen und dich selbstkritsich zu fragen, wo stehe ich und was sind die nächsten Schritte.“ Im September 2001 hat sich Erni Baumann den Salvatorianerinnen angeschlossen. Dort möchte sie weiter ganz auf Gottes Ruf hören.
Ein Haus für Suchende
Zur Sache
Ein Dach über der Seele“ ist das Motto für den diesjährigen Weltgebetstag für geistliche Berufe. Das Haus Manresa der Jesuiten in Linz ist so ein Dach für Menschen zwischen 18 und 40, die ihren Lebensweg in der bewussten Nachfolge Jesu suchen.
Manresa ist eine kleine Stadt in Nordspanien, wo der ehmalige Haudegen Ignatius von Loyola zwei Jahre in Zurückgezogenheit um seine Berufung gerungen hat. Als der Jesuit P. Josef Maureder 1995 von seiner Ordensprovinz mit der Berufungspastortal beauftragt wurde, war ihm bald klar, dass er dafür einen Ort braucht, wo Menschen auf der Suche nach ihrer Lebensentscheidung hinkommen können. 1996 wurde im Haus der Linzer Jesuiten das Projekt Manresa gestartet. In einem eigenen Bereich der Stille können sich junge Leute für einen oder mehrere Tage zur Besinnung und zum Gebet zurückziehen. P. Maureder steht den Gästen mehrere Stunden am Tag zur geistlichen Begleitung und Entscheidungsfindung zur Verfügung. Neben den jederzeit möglichen Tagen der persönlichen Einkehr gibt es ein Angebot von „Tagen der Stille“ in kleinen Gruppen und Exerzitien. Von Anfang 30 Gästen ist die Zahl im letzten Jahr auf 180 Frauen und Männer gestiegen. Sie kommen aus ganz Österreich. Im Haus Manrese finden auch Gruppentreffen der Suchenden im „Berufungsjahr“ statt. Der wöchentliche „geistliche Abend“ und das Angebot von „Exerzitien im Alltag“, wie zuletzt in der Fastenzeit, werden von immer mehr jungen Menschen angenommen. - Informationen: Haus Manresa, P. Maureder od. F. Schmidt, Domgasse 3, Postfach 314, 4010 Linz. Homepage: www: www.haus-manresa.atmail: haus-manresa.at@jesuiten.org