Ernst Pointl belebt den Jakobs-Pilgerweg im Bezirk Vöcklabruck
Ausgabe: 2002/16
16.04.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Pilgerwege zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela durchziehen ganz Europa. Eine mehr als tausend Jahre alte Pilgerroute führt auch durch Oberösterreich.
Santiago de Compostela ist „in“. Mit dem Autobus, mit dem Rad oder zu Fuß – jährlich pilgern zehntausende Menschen zum Grab des Apostels Jakobus, sind berührt und fasziniert. Auch Mag. Ernst Pointl ist einer von ihnen. Der Leiter des Bildungszentrums Maximilianhaus in Puchheim fing bei einer Gruppen-Wallfahrt Feuer. Neun Tage war er unterwegs. Was er bei den täglichen, kleinen Wanderungen erlebt hat, ließ ihn nicht mehr los: „Selbst auf den kurzen Etappen, die wir gegangen sind, habe ich erahnt, was das Gehen bedeutet: zu sich selber kommen, den Rhythmus des Lebens finden und für Gott offen werden.“ Um das zu erfahren, muss man aber nicht nach Spanien fahren. Im Geist der Jakobspilger kann man auch in Österreich unterwegs sein. „Nicht nur träumen, den großen Weg zu gehen, sondern sich vor Ort auf den Weg machen“, ist die Idee, für die Pointl Werbung macht. Eine ansprechende Beschilderung soll dabei helfen.
Der Autor Peter Lindenthal hat mit seinem Buch „Auf dem Jakobsweg durch Österreich“ Routen beschrieben, die sich an Stationen der alten Pilgerstraßen orientieren. Ein Stück dieses Weges führt durch den Bezirk Vöcklabruck. An der Stelle des heutigen Pfarrhofs von Vöcklabruck stand eine Herberge für Jakobspilger, die zu den ältesten Hospizen des deutschen Sprachraums zählte.
Pilgermuscheln am Weg
Pointl hat sich zum Ziel gesetzt, den Weg im gesamten Bezirk zu beschildern mit Steinen, die das Pilgersymbol ziert: die Jakobsmuschel. Zehn Steine stehen bereits, dreißig weitere sind geplant. Die jüngste Markierung wurde im Park vor dem Bahnhof in Attnang errichtet. Pilger sollen so den Weg ohne Reiseführer in der Hand leicht finden und sich ganz auf das Erlebnis des Gehens einlassen können.
Geistliche Infrastruktur
Natürlich ist Pointl selbst den Weg in seiner Region schon gegangen: 70 Kilometer von Attnang nach Salzburg. „Wenn man zu Fuß unterwegs ist, wird man nicht als Fremder gesehen“, erzählt er, „und selbst auf dem kurzen Stück, das ich gegangen bin, ergaben sich interessante Begegnungen“. Eine Woche des Sommerurlaubs wird er für die Etappe Salzburg – Innsbruck nützen.Den markierten Weg versteht Pointl als Dienst an den Pilgern und als Einladung an „Einheimische“, ihn abschnittweise zu gehen. Die Markierungen sind aber auch ein zeichenhafter Beitrag zum vereinten Europa. Das Netz an Jakobswegen, das ganz Europa durchzieht, gehört zur geistlichen Infrastruktur Europas. Und richtet die Länder des Kontinents auf ein spirituelles Zentrum aus.
Mag. Ernst Pointl referiert am 18. April 2002, um 20 Uhr im Pfarrsaal Attnang über den Jakobsweg.