„Er ist auch einer, der es gerne hat, wenn etwas weitergeht, der gerne schafft. Am Sonntag aber muss das Radl stillstehn“, meint Heinz Mittermayr.
Der Sonntag sei für ihn und seine Familie eine Zeit, in der sie versuchen, bewusst anders zu leben, meint Heinz Mittermayr. „Für uns ist das ein Tag der Familie, der sozialen Kontakte, aber auch eine Zeit, um sich selber etwas Gutes zu tun, um Abstand vom Alltagsgeschäft zu gewinnen und sein Leben zu hinterfragen.“
Treffpunkt Kirche
In seiner Kindheit gehörte für Mittermayr die Messe zum Sonntag wie die Schale zum Ei. Als Jugendlicher wäre er schon öfter lieber im Bett liegen geblieben. Aber da war es die Gemeinschaft der Katholischen Jugend, die ihn zur Kirche zog. „Der Kirchplatz war die Nachrichtenzentrale. Wenn du da nicht dort warst, warst du aus dem Spiel. Du hast nicht gewusst, wo man sich am Nachmittag trifft und was die nächste Woche läuft.“ Seit damals, so Mittermayr, sei für ihn der Sonntag ein Angelpunkt für das Gemeinschaftsleben. Als er während seines Zivildienstes in einem Pflegeheim auch öfter am Sonntag arbeiten musste, merkte er, wie schnell man abseits stehe. Und Mittermayr erinnert sich auch an einen alten Kollegen, den er während eines Ferialjobs in der VOEST kennengelernt hat. „Der erzählte mir, wie ihm das Schichteln das Leben kaputt gemacht habe. Er habe zwar gut verdient, wegen der unregelmäßigen Arbeit habe er aber praktisch keine Freunde und kaum einen gesellschaftlichen Anschluss. Lediglich als Rasenmäher beim Fußballklub könne er sich nützlich machen. Das könne er alleine tun.“Heute ist für Mittermayr die Sonntagsmesse selber eine intensive Gemeinschaftserfahrung. „Dieses Gemeindesein um den Tisch des Herrn gibt mir sehr viel. Dass sich dieses Zusammensein im Pfarrkaffee fortsetzt, das genießen meine Frau und ich sehr. Gerade als Familie mit kleinen Kindern bist du normalerweise so eingespannt, dass du kaum gemeinsam wegkommst. Da ist es einfach gut, zu wissen, am Sonntag treffe ich wieder viele bekannte Gesichter – und wir können gemeinsam hingehen, weil auch für die Kinder Platz ist. Für uns ist dieser Pfarrkaffee ein Fixpunkt der Sonntagsgestaltung, da verzichten wir auch gerne auf ein aufwändiges Essen, damit wir länger bleiben können.“
Zeit für das Leben
Wichtig ist der Familie Mittermayr auch, sich am Sonntag bewusst Zeit füreinander zu nehmen. Zum Familienleben gehört für Mittermayr aber auch die Pflege persönlicher Freundschaften. „Damit wir ein jeder für sich selber und für andere Zeit haben, ist es notwendig, dass wir bewusst von unserer Arbeit, soweit das auf einem Bauernhof geht, Abstand nehmen. Mir fällt das nicht immer leicht, nicht doch wenigstens im Garten oder in der Werkstatt herumzukratzen, aber ich lasse mich nicht fangen. Denn diese ,Auszeiten‘ sind für das Leben unersetzbar“, meint Mittermayr. Auch während der Bauzeit habe er am Sonntag nie gewerkt.
Der fadeste Tag
Zur Sache
Der Sonntag sei der fadeste tag der Woche. Das ergab eine Umfrage unter Jugendlichen im vergangenen Jahr in Gallneukirchen. Für den Linzer KAB-Sekretär Mag. Heinz Mittermayr kam dieses Ergebnis nicht überraschend. „Ich komme viel mit jungen Leuten zusammen und sehe, wie sie mit dieser zweckfreien Zeit nichts anzufangen wissen.“ Für viele Jugendliche sei der Sonntag nur noch zum Ausschlafen vom „Freizeitgenuss“ am Samstag da, damit sie am Montag wieder fit sind. „Aber der Sonntag ist zu schade dafür, nur eine Aufladestation zu sein, damit ich die Woche wieder funktioniere. Er sollte dazu dienen, dass ich meine menschlichen Batterien auflade“, meint Mittermayr.Die Jugend sei für ihn aber nur ein Spiegelbild der Erwachsenenwelt, meint Mittermayr. Möglichst gut verdienen, vorwärtskommen, flexibel sein und sich möglichst rasch möglichst viel leisten können, das sei die Lebensmaxime, die „in“ ist. Deshalb müsse es nicht nur um Job, sondern auch in der Freizeit rund gehen. Geschlossen Geschäfte stören da ebenso wie Ruhezeiten, in denen man zu sich selber kommen könnte. „Deshalb halte ich die Kampagne ,Schneller leben?‘ der ,Allianz für den freien Sonntag‘ für so wichtig“, betont