Das Kirchenjahr lädt um diese Jahreszeit die Menschen ein, sich in der Natur ihres Lebens und Glaubens zu besinnen.
„Die Entfernung von der Natur ist zugleich die Entfernung von Gott!“ Franz Stelzhammer, der dem Land Oberösterreich den Text der Landeshymne verdankt, hat diesen Satz gesprochen. Das Stelzhammer-Jahr, das den 200. Geburtstag des Dichteroriginals in Erinnerung ruft, gibt Anlass, über Natur und Glaube nachzudenken. Das Kirchenjahr führt die Menschen um diese Jahreszeit heraus aus kalten und muffigen Mauern. Unter Tags bleiben die Kirchentüren offen, um die Kälte des Winters auszutreiben. Ende April und vor allem im Mai ziehen die Gläubigen hinaus in die Natur. Prozessionen und Andachten finden im Freien statt. Zu den Bitt-Tagen vor dem Fest Christi Himmelfahrt beten sie um das Gedeihen der Feldfrüchte. Das Gespür für den Zusammenhang von Gedeihen der Früchte und Lebenssicherheit ist zwar vielen Menschen verloren gegangen, weil sie nicht mehr unmittelbar mit ihren Händen für die Nahrungsmittel arbeiten. Selbstverständlich ist es aber keineswegs, dass die Regale in den Kaufhäusern mit genügend Lebensmittel gefüllt bleiben. Wie der Mensch mit der Natur umgeht, sagt auch etwas über den Glauben des Menschen. Wer die Verbundenheit mit dem Boden, auf dem er lebt, verliert, läuft Gefahr, auch die Bodenhaftung seines Glaubens zu verlieren. In vielen Pfarren ist es Tradition geworden, Maiandachten im Freien zu halten. Eine stimmungsvolle Kapelle bildet den „Altar“ für die Andacht. Ohne teure Orgel, ohne kostbaren Kirchenschmuck, besinnen sich Menschen. Die Gemeinschaft ist oft klein – eine Dorfgemeinschaft vielleicht. Oft treffen sich die Feiernden anschließend in einem der Häuser zu einem „Dorf-abend“. Man muss nicht immer fortgehen, um Kirche zu erleben. Sie verwirklicht sich auch in der Gemeinschaft der Nachbarn. Es ist gut, dass es diese Andachten gibt. Die angenehme, würzige Luft eines Frühlings-abends – ist sie nicht auch ein Geschenk? Die Prozession bei Sonne oder bei Wind und Wetter – je nachdem –, sie vermag zu helfen, uns besser zu verwurzeln.Die Natur ist so etwas wie eine Predigt. Die Bibel schildert es so: Der Berg, ein See: Das waren Orte, an denen Jesus zu Menschen gesprochen hat.