Ökumenische Friedenspilger berichten vom Aufenthalt im Heiligen Land. Dringendste Aufgabe ist es, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.
„Es ist sehr wichtig, dass ihr gekommen seid!“ Mit diesen Worten wurden die fünf Frauen und Männer begrüßt, die zwischen 8. und 13. April als Friedenspilger das Heilige Land besucht haben. Die Vertreter/-innen des Internationalen Versöhnungsbundes, von Pax Christi International und dem Netzwerk „Kirche und Frieden“ waren von den Kirchen in Jerusalem eingeladen, sowie von israelischen und palästinensischen Menschenrechtsgruppen.
Immer öfter keine Einreise
„Es war keine leichte Entscheidung“, meint Paul Lansu. „Aber wir hofften, wenn wir statt mit 30 nur zu fünft fahren, dass wir wenigstens einreisen können.“ Denn wie der Priester in der Pax-Christi-Zentrale in Brüssel berichtet, häufen sich Meldungen, wonach bereits am Flughafen in Tel Aviv internationalen Friedensaktivisten die Einreise verweigert wird.„Es ist zu spüren, wie das Vorgehen der israelischen Armee und palästinensische Selbstmordattentate den Hass und die Gewalt schüren“, sagt Hildegard Goss-Mayr. Die Ehrenpräsidentin des Versöhnungsbundes erzählt von der Begegnung mit einem sehr angesehenen und seit Jahren für Menschenrechte engagierten palästinensischen Christen. Mit Tränen in den Augen gestand er: „Was im Flüchtlingslager Jenin geschehen ist, hat in mir zum ersten Mal Hassgefühle aufkommen lassen. Mein Leben lang habe ich versucht, beide Seiten gerecht im Blick zu halten, aber diese Greueltaten fördern nur neue Gewalt.“Vor einem Jahr hat Paul Lansu mit einer Erkundungsmission von Pax Christi die Palästinensergebiete schon einmal besucht: „Damals bezeichneten wir sie als ,offenes Gefängnis‘. Heute stehen die Menschen unter ,Hausarrest‘, eingesperrt in ihre eigenen vier Wände. Seit Wochen besteht eine 24-stündige Ausgangssperre, die oft nur für längstens 90 Minuten aufgehoben wird.“ Voraussetzungen, um die Spirale der Gewalt durchbrechen zu können, sind für beide Friedensaktivisten ein sofortiger Waffenstillstand und das Ende der Besetzung.
Frauen für Frieden
Den Friedenspilgern gelang es zwar nicht, in das abgeriegelte Bethlehem zu kommen. „Aber am Telefon konnten wir unseren Freunden die Möglichkeit geben, ihr Leid und ihre Schwierigkeiten auszusprechen“, sagt Goss-Mayr. „Für Menschen in einer so dramatischen Situation ist es wichtig zu wissen, dass sich internationale Gruppen für die Überwindung der Gewalt einsetzen. Diese Hoffnung konnten wir ihnen geben.“Die Pilger setzen aber auch darauf, dass mit ihrer Reise der beharrliche Einsatz israelischer Friedensaktivisten, wie den Frauen von „Check-point watch“ (Foto oben), bekannt wird. Oder dass am vorletzten Wochenende die israelische „Koalition der Frauen für gerechten Frieden“ 30 Lkws mit Lebensmitteln in das palästinensische Ramallah bringen wollte. Und daran von der israelischen Armee mit allen nur erdenklichen Druckmitteln gehindert wurde.
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Hintergrund
Damit Kritik am Vorgehen Israels nicht mit Antisemitismus verglichen wird, ist für Hildegard Goss-Mayr ganz wichtig: „Als Friedenspilger haben wir immer darauf hingewiesen, dass wir unseren Beitrag zur Überwindung der dramatischen Situation verstehen aus Liebe zu Israel und aus Liebe zu Palästina.“ Deshalb stand im Mittelpunkt des Pilgerweges, so Goss-Mayr, „beide Völker im Blick zu haben und zu unterscheiden, zwischen einer autoritären und menschenverachtenden Politik eines Landes und dessen Bevölkerung. Das ist sehr wichtig. Sonst besteht wirklich die Gefahr, wenn man nur eine Seite im Blick hat, dass damit wieder antijüdische oder antisemitische Haltungen aufkommen.“ Deshalb sei es sehr wichtig zu sehen, welche Schwierigkeiten auch das Volk Israel hat. - Israel ist ein Volk, das sich aus Einwanderern sehr unterschiedlicher Kulturbereiche zusammensetzt. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung kommen aus der ehemaligen Sowjetunion. „Es sind Menschen, die nie Demokratie erlebt haben. Sie haben nur das Bedürfnis in Ruhe und Frieden zu leben. Ariel Scharon hatte ihnen das vor der Wahl versprochen“, erklärt Goss-Mayr. - Die Selbstmordattentate versetzen das Land in eine permanente Unsicherheit. „In der älteren Generation brechen die Ängste des Holocaust noch einmal auf.“Hildegard Goss-Mayr abschließend: „Das alles muss man sehen. Und wir sollten uns hüten, Premier Ariel Scharon mit dem jüdischen Volk zu identifizieren. Wenn man gegen die Militär- und Gewaltpolitik dieser Regierung arbeitet, dann tut man es aus Liebe zu Israel und nicht, weil man gegen Israel ist.“