Wegen der Serie von Missbrauchs-Skandalen durch Priester an Jugendlichen hat Johannes Paul II. alle US-Kardinäle für diese Woche zum Krisengipfel geladen. Zwei Hauptprobleme dürften zur Sprache kommen: der weitere Einsatz von Priestern, die des sexuellen Missbrauchs angeklagt sind, sowie die Frage der Zusammenarbeit mit der staatlichen Justiz. Los Angeles’ Erzbischof Kardinal Roger Mahony, ein Verfechter der schonungslosen Aufklärung, erwartet eine „ehrliche und offene Diskussion“ ohne Beschränkungen mit dem Papst. Dies sei notwendig, um den entstandenen Schaden zu reparieren. Bereits vergangene Woche war Kardinal Law in Rom. Im Anschluss bekundete er die Absicht, entgegen geäußerten Rücktrittsforderungen Erzbischof von Boston zu bleiben. Die Mehrheit der 63,7 Millionen US-Katholiken ist laut Umfragen mit dem Krisenmanagement der Bischöfe unzufrieden.
Russische Methode
Ein russisch-orthodoxer Bischof protestiert bei staatlichen Stellen gegen den bewilligten Bau einer römisch-katholi-schen Kirche: „Beleidigen Sie nicht unsere Nation durch die Anwesenheit der Katholiken.“ Und der Bau wird umgehend eingestellt. Landesweit wird vor Kirchen demonstriert. Ihr Motto: „Nieder mit der katholischen Expansion!“ Zwar ist dies vor Gotteshäusern eigentlich gesetzeswidrig, aber russische Behörden greifen nicht ein. Und nun wird ein katholischer Bischof zur „unerwünschten Person“ erklärt und ohne Angabe von Gründen ihm die Einreise verweigert.Es ist bekannt, dass es seit der Wende schwieriger geworden ist mit der Ökumene in Russland. Dass jedoch orthodoxe Kreise sich jener Methoden bedienen, die wir aus Sowjetzeiten kennen, das ist neu.