Zentrum des christlichen Glaubens und dennoch im Abseits: Das Bekenntnis zum dreieinen Gott. Mit der Dreifaltigkeits-Ausstellung zeigt das Stift Reichersberg Mut zu einem „sperrigen” Thema.
In Symbolen wie einem Dreieck oder in Darstellungen von biblischen Erzählungen, die wie zum Beispiel der Besuch der drei Engel bei Abraham als Hinweis auf die Dreifaligkeit gedeutet werden, sind die ersten Ausdrucksformen der bildenden Kunst das Geheimnis der Dreifaltigkeit darzustellen. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich die Darstellung in der Form des Gnadenstuhls: Gott Vater hält in seinen Händen das Kreuz mit Christus, dazwischen oder darunter die Taube des Heiligen Geistes. In der Gegenreformation wurde der Bildtypus „Triumph der Dreifaltigkeit“ als das bestimmende Dreieinigkeitsmotiv und findet sich in zahlreichen Altarbildern und barocken Deckenfresken – oft in Verbindung mit der Krönung Mariens. Zu einer besonderen Verehrung der Dreifaltigkeit kam es in der Zeit der Türkenkriege. Das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott wurde zum Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Islam. In der Folge entstanden viele Dreifaltigkeitssäulen, die wegen des Vergleichs der Türkenheere mit der Pest häufig auch „Pestsäulen“ bezeichnet werden.
Kurator der Ausstellung ist Prof. Dr. Dietmar Assmann. Die Schau gibt Einblicke in die Entwicklung der Dreifaltigkeitsdarstellungen. Die Dreifaltigkeitsidee in der Architektur (Stadl Paura) kommt dabei ebenso vor wie die Dreifaltigkeitswallfahrt auf den Sonntagberg. Auch der Typus der „Not Gottes“, eine Sonderform des Gnadenstuhls, wird gezeigt.
Die Ausstellung „Die Dreiheit in der Einheit. Dreifaltigkeitsdarstellungen“ im Stift Reichersberg ist bis 2. Juni 2002 von Mittwoch bis Sonntag (14 bis 17 Uhr) zu besichtigen.