Die Zeit der besonderen Feste im Kirchenjahr ist für einige Zeit vorbei. Im Blick auf Heilige lässt sich für die Lebens-orientierung auch in dieser Zeit viel gewinnen.
Würde Gott seine „Firma“ Kirche nach unternehmerischen Gesichtspunkten leiten, so müsste man sein Handeln als kaum verständlich bezeichnen. Auf seine besten Leute müsste er doch besonders achten, um ihre Lebenskraft möglichst lange zum Tragen zu bringen. Schließlich kostet ja schon die Ausbildung einiges – und da sollten sich die Investitionen doch lohnen. Antonius von Padua – ein Zeitgenosse des Franz von Assisi – war einer der Besten. Als er am 13. Juni 1231 in Arcella bei Padua starb, war er gerade 36. Bis zu 30.000 Menschen sollen auf die Plätze der Städte und an die Strände gekommen sein, um dem begnadeten Prediger zuzuhören.Antonius starb jung. Seine vielfältigen Missionsreisen hatten ihn müde gemacht. So wollte er sich ein wenig zurückziehen, um sich auszuruhen. Gott nahm den Wunsch wörtlich. Antonius starb. Nicht einmal ein Jahr später wurde Antonius heilig gesprochen – der kürzeste Heiligsprechungsprozess im Lauf der Kirchengeschichte. Seine „Karriere“ hatte sich Antonius selbst anders vorgestellt. Eigentlich wollte Antonius in Nordafrika wirken, doch hielt er das gesundheitlich nicht aus. So brach er mit dem Schiff auf, um in seiner ursprünglichen Heimat Portugal verträglichere Bedingungen zu finden. Ein schwerer Sturm kam auf und trieb das Schiff nach Sizilien. Der förmlich aus der Bahn geworfene Antonius wurde zum „Italiener“. Eigentlich eine Katastrophe, so ein Sturm, der ihn aus der Bahn geworfen hatte. Nach und nach entdeckte man die Rednergabe des Antonius. Er wurde zu einem der populärsten Prediger der Kirchengeschichte. Es muss nicht wirklich eine Katastrophe sein, was zunächst als solche erscheint. Die Lebens-beschreibung des Antonius schenkt Mut, Ungeplantes anzunehmen. Wenn Gott das Leben dieses Menschen so früh enden ließ – nicht nur ein langes Leben kann ein erfülltes Leben sein.