Jesus hat viele Wunder gewirkt und Heilungen durchgeführt. Das Matthäusevangelium schildert uns gerade hier, wie zwiespältig die Bevölkerung seine Zeichen aufgenommen hat. Das Volk jubelt, während die Pharisäer mit den Zähnen knirschen. Darauf wird uns eine überraschende Reaktion Jesu mitgeteilt: er hat Mitleid. Es ist das Mitleid Gottes mit den Menschen, die müde und erschöpft sind. Müde und erschöpft, weil sie ihre Zweifel hinter der coolen Fassade verstecken müssen. Müde und erschöpft, weil sie allzu oft den falschen Hirten hinterherlaufen. Müde und erschöpft, wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Der Anlass für die Aussendung der Jünger ist dieses Mitleiden Jesu. Es ist sein Wunsch, die Menschen nicht alleine zu lassen. Das Mitleid Gottes wird zur Tat Jesu. Die zwölf Jünger werden mit Namen genannt. Sie werden für uns durch ihre Herkunft erkennbar. Es sind keine besondere Menschen, mit vielen Titeln und Orden, mit viel Wissen und Macht, die Jesus in seine Nähe ruft. Er nennt sie einzeln beim Namen, wie Gott uns beim Namen ruft und begleitet.
Jesus sendet seine Jünger als Hirten zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Es ist fast schon betrüblich, so dass ich es am liebsten wegstreichen möchte. Aber es steht da! Jesus sendet seine Zwölf ausdrücklich nur zu den verlorenen Schafen Israels.Er verbietet ihnen geradezu irgendwo anders hinzu-gehen. Es ist das Volk Israel, das auserlesen war, zu dem Jesus die Seinen aussendet. Deswegen sind es auch genau zwölf Jünger, die er schickt, obwohl mehr doch viel sinnvoller wären. Denn Zwölf ist die Zahl der Stämme Israels. Zwölf Männer wählt Josua aus, um vor der Bundeslade in das Gelobte Land einzuziehen. Zwölf Körbe bleiben bei der Brotvermehrung übrig, um die Menge Menschen zu versorgen. Zwölf ist die Zahl der Tore des himmlischen Jerusalem, gebaut auf den Grundsteinen der zwölf Apostel.
Im heutigen Evangelium sendet Jesus die Apostel nur zu den Stämmen Israels. Der Auferstandene wird sie später zu allen Völkern senden. Am Ende steht die Erfüllung der Liebe Gottes zu den Menschen, wenn alle Völker vereint mit dem Volk Israel den Menschensohn sehen werden, wenn er kommt. Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, treibt Dämonen aus! Das ist die Frohe Botschaft, die den Menschen gebracht wird. Gott geht einen neuen Weg, um sein Volk zu sammeln, um den müden und erschöpften Menschen Hirte zu sein. Gott sammelt sich Menschen aus allen Völkern und aus allen Nationen. Wir alle haben Anteil an dem großen Geschenk.