Folter für den unbarmherzigen Knecht! Ist das nicht eine massive Drohbotschaft? Ja, wenn Gott uns die Unversöhnlichkeit vorlebt . . . ! Aus Bibelgruppen weiß ich, dass oft der erste Eindruck ein Unbehagen ist.
Was Jesus sagen will, lässt sich nicht leicht in eine Geschichte kleiden. Es geht bei der zornigen Tat des Königs darum: „Wie du mir, so ich dir!“ Die abschließende Handlung des Königs zeigt an, dass der Unbarmherzige seine Schuld gar nie los wurde! Wer nicht verzeihen kann, nicht will, glaubt auch nicht, dass ihm vergeben werden könnte. Diesen inneren Zusammenhang „übersetzt“ Jesus in die Geschichte jenes Königs, der von sich aus vergibt, schlussendlich aber den unbarmherzigen Knecht in schwere Schuldhaft nimmt. Die Reaktion des Königs verdeutlicht, was wir uns selber antun, wenn wir nicht vergeben: Wir sperren uns in Wirklichkeit selber ein. Wir bleiben Gefangene unserer Unversöhnlichkeit. Die Frage des Petrus: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?“ und Jesu Antwort machen klar, dass diese Geschichte täglich spielt. Ich bin dieser Knecht! Meine Schuldregister, die ich innerlich mit so viel Genauigkeit über „meine Lieben“ führe, haben die geschilderten Auswirkungen. Solange die lumpigen „hundert Denare“ nicht vergeben und vergessen sind, solange bleiben mir die „zehntausend Talente“ Schulden. Die Vaterunser-Bitte hält diese Erfahrung fest.
Es stimmt wohl, und das stimmt nachdenklich: Ich habe Gottes Großzügigkeit noch gar nie richtig kapiert. Hätte ich verstanden, könnte ich einfach nicht anders als die Erleichterung weitergeben. Habe ich nie wirklich geglaubt? Das ist wohl der Knackpunkt: zu glauben wagen an Gottes Vergebung und Großzügigkeit. Verschüttet unter schmerzlichen Erlebnissen, sind solche Erfahrungen im eigenen Leben auszugraben. Dann blitzt in einer nachdenklichen Stunde die Ahnung auf: Gott interessiert sich für mich, nicht für meine Schuld. Nicht Gott hält an meiner Schuld fest. Nein! Ich selber!
Vergebung üben ist darum der Königsweg zur Freiheit. Ich lasse die Bitterkeit über alles, was mir empörenderweise genommen oder nie gegeben wurde, was mich verletzt und geschädigt hat. Ich lasse los und werde frei. Warum nicht in der kommenden Woche darangehen, bewusst alte Rechnungen zu zerreißen, mit denen ich andere in Haft halte? Warum nicht in den nächsten Tagen beginnen, bewusst zu verzichten, mich mit quälenden Rechtfertigungen und dem Platt-Treten alter Vorwürfe zu foltern? Und ich werde meine Gefangenschaft los!