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„Mais für Arbeit“ – Hungerhilfe spendet Energie zur Entwicklung

Malawi: Caritas kann kaum helfen, da weltweite Unterstützung ausbleibt
Ausgabe: 2002/38, Mais, Ziel, Gemeinschaft, Leute, Probleme;
17.09.2002
- Walter Achleitner
Hilfe ist notwendig, um das Überleben zu sichern. Dennoch darf sie die wachsende Selbständigkeit nicht gefährden, meint der Caritas-Direktor von Malawi, Nicholas Mkwapata.

Was lässt sich über den Hunger in Malawi vorhersagen?
Mkwapata: Die Situation verschärft sich von Woche zu Woche. Am schwierigsten allerdings wird es voraussichtlich ab Jänner werden, wenn 3,2 Millionen Menschen nur mit Nahrungshilfe überleben werden.

Und wie steht es um dieinternationale Unterstützung?
Mkwapata: Trotz finanzieller Zusagen, die wir von unseren internationalen Caritas-Partnern erhalten, werden wir kaum in der Lage sein, auch nur annähernd Hilfe zu leisten. Bereits im März haben wir um 2,5 Mill. Euro weltweit gebeten. 78.000 Haushalten sollte damit geholfen werden.
Bisher wurden uns aber nur 500.000 Euro zugesichert. Das heißt, wir wissen heute noch nicht, wie wir 80 Prozent der Hilfe finanzieren werden. Anders gesagt: Wir konnten bisher für 160.000 Euro Mais kaufen, jene Summe, die bereits überwiesen wurde. Diese 600 Tonnen mussten wir zum größten Teil bereits im Juli verteilen.

Kommt Hilfe erst, wenn Hungeropfer über das Fernsehen in die Wohnzimmer kommen?
Mkwapata: Exakt. Europa soll jedoch die Wahrheit darüber erfahren, was bei uns bereits heute Alltag ist. Wir brauchen eine breite Öffentlichkeit für den Hunger. Aber auch unsere Regierung tut nichts, um das Problem bekannt zu machen. In Wahrheit hat es sehr lange gedauert, bis sie offiziell den Notstand erklärt hat. Zuvor mussten viele Menschen sterben.

Was sind die Hauptursachen für den drohenden Hunger?
Mkwapata: Zunächst einmal hatten wir schon im vergangenen Jahr sehr geringe Niederschläge. Das führte zu starken Einbußen bei der Maisernte, dem Hauptnahrungsmittel Malawis. Zweiter Grund ist ein Missmanagement. Die Regierung hat die strategischen Mais-Reserven an Kenia verkauft. Das hätte nie geschehen dürfen.

Es heißt, der Internationale Währungsfonds habe die Regierung zum Verkauf der strategischen Mais-Reserven veranlasst?
Mkwapata: Es kann möglich sein, oder auch nicht. Nur, niemand kann dich zwingen, alle Lebensmittel aus deinem Haus zu verkaufen. Wenn du nicht davon überzeugt bist, dann hast du das Recht Nein zu sagen. Wenn die Regierung den Mais tatsächlich deshalb verkauft hat, dann war das eine sehr schlechte Entscheidung. Sie hätte auch sagen können: Wir verkaufen den Mais nicht. Wir brauchen ihn zum Überleben. Wir suchen andere Mittel, um die Schulden zurückzuzahlen.

Malawi erscheint grün, dennoch kann das Land seine Bewohner nicht ernähren. Warum?
Mkwapata: Malawi leidet an „grünem Hunger“ – grün, weil wir nicht in einer Wüste leben. Im Gegenteil: wir haben gute Böden, wir hätten ausreichend Wasser, und die Menschen arbeiten sehr hart. Der Hunger bedeutet, dass vielmehr unsere Politik verkehrt ist.Wir sind fast ausschließlich vom natürlichen Regen abhängig.

Warum wird nicht in die Bewässerung investiert?
Länder wie Ägypten oder Libyen schaffen es, selbst die Wüste in fruchtbare Gärten zu verwandeln. Malawi muss die Landwirtschaft als Rückgrat betrachten und mehr Mittel dafür bereitstellen. Den Menschen helfen, ihren Lebensstandard zu steigern sowie die Produktion mehrerer Früchte.

Kann die Caritas einen Beitrag zu dieser Veränderung leisten?
Mkwapata: Die Hilfe im Kampf gegen den Hunger ist nur ein kleiner Teil der Caritas-Arbeit. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass alle während des ganzen Jahres genug zu essen haben. Wir machen kleine Bewässerungsprojekte, wir bemühen uns, die Leute mit der Herstellung und dem Einsatz von organischem Dünger vertraut zu machen. Alle Initiativen laufen zusammen im „Training für Veränderung“. Damit wollen wir die Aufmerksamkeit der Menschen wecken, damit sie die Fähigkeit entwickeln, ihre eigenen Probleme zu erkennen und nach Lösungen selber zu suchen. Sie dürfen nicht länger mehr darauf warten, dass andere kommen, die ihnen sagen, was sie zu tun haben.

Ist dann die Nahrungshilfe nicht wieder ein Rückschlag?
Mkwapata: Sie kann tatsächlich die Menschen wieder erneut abhängig machen. Deshalb heißt unser Lebensmittelprogramm „Mais für Arbeit“. Die Leute machen Entwicklungsarbeit. Das Problem ist, dass sie ja keinen Mais haben. Also, sie bekommen Lebensmittel und setzen ihre Arbeit fort. So wird die Hungerhilfe in Entwicklung umgesetzt. Natürlich gibt es auch jene, von denen man das nicht verlangen kann: junge Aids-Waisen, Ältere, chronisch Kranke. Es ist rund ein Drittel der Nahrung, die gratis verteilt wird. Aber wer in der Lage ist, soll dafür auch arbeiten.

Wie wird „Mais für Arbeit“ in den Dörfern umgesetzt?
Mkwapata: Wir diktieren niemandem, welche Arbeit getan werden soll. Die Leute müssen sich damit identifizieren, was sie für die Gemeinschaft arbeiten. Ein Dorf beschließt ein Aufforstungsprogramm und pflanzt Bäume. Viele nützen die Möglichkeit, um eine Straße zu bauen, andere wieder machen Ziegel, um später einen Gesundheitsposten zu errichten. Unsere Überzeugung ist: Was für die Gemeinschaft wichtig ist, das soll getan werden. Schließlich wollen sie ihre eigenen Probleme lösen.
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