Ich habe einen Arbeitermarkt in Ecuador kennen gelernt! Es war an einem Montagmorgen: Über hundert junge Männer standen da in kleinen Gruppen zusammen, zerstreut über den ganzen Platz mit seinen Marktbuden. Unterm Arm trugen sie ihre Habseligkeiten mit sich: Hammer, Fuchsschwanz, Maurerkelle. Jede Arbeit war ihnen recht. Erwartungsvoll musterten sie die anfahrenden Geländewagen: ist es einer der Gutsherren, der Arbeit hat? Für die ganze Woche ausgesorgt – schön wär’s! Da und dort fuhren Autos weg; auf der Ladefläche zufriedene Burschen; heute hatten sie Glück. Über den Lohn wurde wohl nicht einmal gesprochen: „Willst du oder willst du nicht? Es gibt genug andere.“
Es ging langsam gegen Mittag; die Chancen wurden kleiner. Zögernd näherten sich mir einige Indios mit ihrem Bündel: „Señor?!“ – Betreten winkte ich ab. Nein, ich habe keine Arbeit, ich bin nicht von hier! Auch Jesu Zuhörer wissen, wovon die Rede ist. Der Marktplatz ist kein Ort der Barmherzigkeit. Die Warterei, zerschlagene Hoffnungen, Demütigungen, dann der enttäuschende Lohn. Daran denken tut schon weh. Jesu Erzählung entlockt bestenfalls ein dünnes Lächeln. Jesus, so einen Landbesitzer kannst du lange suchen! Aber der Haken sitzt! „Das Himmelreich ist mit einem Gutsherrn zu vergleichen . . .“ Ausgerechnet mit einem Gutsherrn! Aber: Vielleicht handelt Gott wirklich ganz anders? Vielleicht sind nicht nur Priester und fromme Leute gefragt . . . ? Sondern wirklich alle sind gefragt . . . auch ich mit meinen leeren Händen . . . Jesus, hoffentlich hast du Recht! Der Angelhaken sitzt auch in meinem zwiespältigen Ich: Im Dünkel, halt doch etwas besser zu sein als gewisse Leute. In der heimlichen Annahme, sich den Himmel richten zu können. Im Stolz, Last und Hitze des Tages zu tragen – nicht wie diese Leichtgewichte. Im Ärger über die, welche sich’s immer leicht machen. Im Unverständnis dafür, dass Gottes Herz einfach für alle schlägt. In der Blindheit für die eigene hartherzige Blindheit. Der Haken sitzt auch in meinem anderen Ich, wo ich stöhne unter den Schlichen meiner Selbstgefälligkeit. Er sitzt in der untilgbaren Sehnsucht, dass Gott groß genug ist, mich aus dem Fuchsbau meiner Selbstgerechtigkeit herauszuholen. Dort, wo ich leide an der Wahrheit vertaner Stunden; wo ich hoffe, dass ich kommen darf – auch in der letzten Stunde. Wenn Gott auf diese Weise lieben sollte – dann hätten alle eine Chance! Auch ich. Jesus, hoffentlich hast du Recht!