Franziska hat es nicht leicht gehabt. So plötzlich den Partner zu verlieren, mit dem sie sich einen schönen Lebensabend erträumt hatte, muss ein Schock gewesen sein. Seither fühlt sie sich alleine. Der Sohn hat das eigene Nest, der Versuch, die Enkel an sich zu binden, gelingt nicht. Mütter (auch Väter), die für ihre (Enkel-)Kinder „alles“ tun wollen, fällt es besonders schwer, sie ziehen zu lassen. Sich von den Kindern zu lösen bedeutet, von einer Lebensphase Abschied zu nehmen. Franziska versucht, diese Phase zu verlängern und die Erziehung der Enkelkinder zu übernehmen. Vielleicht hat sie auch das Gefühl, bei ihrem Sohn etwas falsch gemacht zu haben, das sie bei den Enkeln „gut“ machen möchte. Sohn und Schwiegertochter können dies als Einmischung interpretieren.Franziska muss sich von abgeschlossenen Lebensphasen verabschieden lernen; das bedeutet zu würdigen, was ihr an der Erziehung ihres Sohnes gelungen ist, und sich zu versöhnen mit dem, was nicht so gut gelungen ist. Verabschieden auch davon, nicht mehr in dem Maße gebraucht zu werden wie früher.
Die leere Wohnung kann als Sinnbild stehen: Nun gilt es, die vermeintlichen „Leerräume“ in „Freiräume“ zu verwandeln. Gibt es noch einen Traum, den sie sich erfüllen möchte? Sie könnte Geld, das sie im Übermaß den Kindern gibt, für die Verwirklichung dieser Träume nutzen. Damit fördert sie gleichzeitig die Verantwortlichkeit ihres Sohnes. Sonst besteht die Gefahr, dass Franziska ob der Undankbarkeit innerlich verbittert. Eltern haben gute Arbeit geleistet, wenn ihre Kinder selbstständig geworden sind und sie nicht mehr „gebraucht“ werden.