Auf eine 8000-jährige Geschichte blickt die Weinrebe zurück. Geliebt und verteufelt wurde der berauschende Rebensaft. Im Mittelalter sorgten die Klöster für die Kultivierung des Weinbaus.
Der Genuss von Alkohol stößt in kirchlichen Kreisen einerseits auf Unmut und Ablehnung. Wer ständig über den Durst trinkt, tut sich und seiner Umwelt nichts Gutes, verliert meist die Kontrolle über sein Leben. Andererseits hat die Verwendung von Messwein in der Liturgie dem Rebensaft zu einer gehobenen Position verholfen. Wein spielt auch in der Bibel eine wichtige Rolle: Wein und Weinreben werden in über 400 Bibelstellen erwähnt. Im Alten Testament pflanzt Noah nach der Sintflut einen Weinberg und erlebt auch gleich die berauschende Wirkung des Weines (Gen 9,20 ff). Bei der Hochzeit zu Kanaa verwandelt Jesus Wasser zu Wein (Joh 2,1-12). Apostel Paulus schließlich empfiehlt Wein gegen Magenschmerzen und andere Beschwerden. Die Weinrebe gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschen. Der Ursprung des Weinanbaus (6000 vor Christus) dürfte im Kaukasus und in Mesopotamien liegen. Die Weinlagerung war problematisch. Der Wein verwandelte sich durch Sauerstoffkontakt schnell in Essig, die Gärung der Weine fand in einfachen Lehmfässern statt. Gute und schlechte Weine kannte man schon damals: Weine aus Kanaan galten als vorzüglich.
Wein und Kult
Die Griechen feierten im 5. Jahrhundert vor Christus rauschende Feste zu Ehren von „Dionysos“, dem Gott der Ekstase, der Fruchtbarkeit und des Weines. Schon die Griechen kannten den „Gspritzten“. Unverdünnten Wein zu trinken galt als brutal und unzivilisiert. Dass Weingenuss Gefahren birgt, dessen waren sich die Griechen bewusst. Der griechische Philosoph Platon (427-347 v. Chr.) riet Knaben unter 18 Jahren davon ab, Wein zu trinken, denn „Feuer soll nicht mit Feuer vereint werden.“ Wahre Weinkenner waren die Römer. Die beliebtesten römischen Weine waren weiß, süß wie Zucker und mit Röstaromen versetzt. Die römischen Weinbehälter bestanden aus tönernen Amphoren, die mit Kork und Wachs verschlossen wurden. Der römische Gott des Weines war „Bacchus“. Ihm zu Ehren gab es ausgelassene Feste. „Mord, Unzucht und Betrug“ waren die Begleiterscheinungen dieser Bacchusfeste. Dies führte 186 vor Christus zu einem Verbot der Feste.
Wein und Kirche
Mit dem Niedergang des Römischen Reiches verschwand auch die Kunst, Wein über längere Zeit zu lagern. Erst im Mittelalter kam es diesbezüglich zu einer Weiterentwicklung. Zahlreiche Klöster – meist Benediktinerorden – widmeten sich der Kultivierung des Weinbaus. Sie dokumentieren ihre Arbeit in eigenen Handschriften. Vom Korkverschluss verabschiedete man sich, die Holzfässer ersetzten nun die römischen Amphoren. Wein fand Verwendung als Messwein, daraus leitete die Kirche auch das Recht auf die Kontrolle des Weinbaus ab. Die mittelalterlichen Klöster sind an unserer heutigen Wein – und Esskultur maßgeblich beteiligt. Verteufelung oder Kultivierung des Weingenusses – das war und ist nicht nur Thema vieler Predigten, sondern auch Ausgangspunkt für zahlreiche Diskussionen zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Alkoholsüchtigen und Abstinenzlern. Entscheidend ist – wie bei allen Genussmitteln und drogenähnlichen Substanzen – das „wie“: Wann und wie oft greife ich zum Weinglas?
Wein und Gesundheit
Vernünftiger Weinkonsum – ein Achterl Wein pro Tag – kann Schutz vor Herzkrankheiten bieten, den Cholesterinspiegel senken, für Kreislauf, Magen und Darm eine Wohltat sein. Der Grieche Hippokrates, der große Vater der Heilkunst (4. Jhdt. v. Chr.), empfahl Wein wegen seiner fiebersenkenden und desinfizierenden Wirkung als Allheilmittel. Hippokrates´ Ratschlag: „Der Wein ist für den Menschen von größter Bedeutung, vorausgesetzt, dass ihn Kranke wie auch Gesunde in richtiger Weise genießen, dem Zustand des einzelnen Menschen angepasst.“ Weinverkostungen laden nun ein, ein gutes Tröpferl zu Wein zu (ver)kosten. Der erste steirische Jungwein aus dem heurigen Jahr – „Junker“ genannt – kann ab 6. November gustiert werden.