Für Samir Khalil Samir sind Freundschaft und Respekt die Kennzeichen der Begegnung von Christen und Moslems vor mehr als 1200 Jahren.
Dass Franz von Assisi, dessen Gedenktag am 4. Oktober gefeiert wird, auch als Vorbild für den christlich-islamischen Dialog gesehen wird, freut Samir Khalil Samir. Zumal gerade in Ägypten, seiner Heimat, die Begegnung des populären Heiligen mit Melek el Kamil stattfand. „Das ist gut, um die Mentalität zu verändern“, sagt der Jesuit zur Idee im Westen.
Doch als Experte für christliche Literatur im arabischen Raum weiß Samir auch: „Das war eine zu unbedeutende Begegnung, als dass sie den christlich-islamischen Dialog beeinflusst hätte.“ Außerdem war 1219, zum Zeitpunkt der Begegnung des Bettelmönchs mit dem muslimischen Sultan, der Dialog zwischen beiden Religionen schon über 500 Jahre gewachsen. Eine Tatsache, „die der Westen leider viel zu wenig kennt“, bedauert der in Beirut und Rom lehrende Theologe.
Kompromisslos
Auf die Frage, was wesentlich für den christlich-islamischen Dialog seit dem 7. Jahrhundert ist, kommt P. Samir auf sein Vorbild zu sprechen: Timotheus I., der 780 zum Katholikos-Patriarchen gewählt wurde. Weitblickend verlegte der Nestorianer seinen Amtssitz in das 762 neu gegründete Bagdad. Seine Gelehrsamkeit trug dazu bei, dass am Khalifenhof christliche Ärzte und Gelehrtenfamilien glänzten. Und während seiner fast 44-jährigen Amtszeit erlebte er fünf Kalifen. Zu ihnen hatte Timotheus I. teils freundschaftliche Beziehungen.Für Samir Khalil Samir zählt das aus dem Jahr 781 überlieferte Gespräch mit Kalif al-Mahd i zu den schönsten Texten. „Freundschaft und Respekt sind wesentlich. Der zweite Pfeiler ist die persönliche Klarheit und Gewissheit, dass ich Christ bin.“ Das heißt, so Samir, dass sich „nie jemand auf Kompromisse einlässt. Nie spricht jemand, statt vom Sohn Gottes, von Christus als einer wunderbaren Persönlichkeit. Aber die Autoren versuchen immer und immer wieder das deutlich zu erklären.“ Worin Timotheus Vorbild sein kann, erklärt Samir: „Toleranz wird oft so verstanden, dass man nicht alles sagen darf, was man glaubt. Das ist schade. Natürlich kann man das Gespräch nicht damit beginnen. Aber wenn man Meinungen austauscht, dann muss man das in Liebe sagen.“
Respektvoll
Dass Texte islamischer Autoren jener Zeit, im Gegensatz zu denen christlicher Verfasser, kaum dialogbereit sind, erklärt P. Samir kurz: „Sie hatten die Macht und sahen keine Notwendigkeit zum Dialog.“ Aber der Experte der arabischen Literatur kennt auch Ausnahmen: Abu Hamid Al-Ghazali. Der 1111 in Persien verstorbene Philosoph und Theologe wird als der größte Denker des Islam bezeichnet. „Unter seinem Namen wird ein Text überliefert. Es ist eine Kritik am Christentum. Dabei geht es gegen die Gottheit Christi, aber er ist in einer so respektvollen Art verfasst, dass wir uns heute viel davon abschauen können.“
Botschafter für den Dialog
Hintergrund
Für Samah und Elias war es ein besonderer Augenblick: Zum ersten Mal konnten sie in ihre Heimat schauen. Denn die 13-jährige Muslimin und der griechisch-orthodoxe Christ (12) sahen jene Berge und Täler, von denen ihre Großeltern in den palästinensischen Flüchtlingslagern in Beirut erzählt hatten. Für die zehn Palästinenserkinder, die im Rahmen des Internationalen Caritas-Jugendlagers hierher gekommen waren, war der Berg Nebo mehr als nur eine touristische Attraktion. „Dabei wäre das Lager für 88 Kinder aus dem Irak, Jordanien, Syrien, Libanon, Palästina und Ägypten beinahe an den Problemen der Region gescheitert“, berichtet Stefan Maier. In letzter Minute gelang es dem Nahost-Referenten der Caritas in Österreich, das dreiwöchige Lager im August dennoch zustande zu bringen. „Ohne den Einsatz von Dr. Heinrich Querner, Österreichs Botschafter in Amman,wäre das nicht gelungen“, sagt Maier. Der Botschafter hatte sich eingesetzt, um auch den Palästinenserkindern die Einreise nach Jordanien zu ermöglichen. Als Querner dann noch alle Waisen- und Flüchtlingskinder zum Essen lud, erlebte der Diplomat persönlich die unbefangene Atmosphäre des etwas anderen Dialogs zwischen Christen und Moslems im Nahen Osten.