Geheimnisse lassen sich nicht verstehen, wohl aber betrachten, erwägen. Auch die Geheimnisse des Rosenkranzes.
Mit der „Herbstquatember“ in der ersten Oktoberwoche wird die letzte Etappe des Kirchenjahres eingeleitet. Sie steht im Zeichen des Erntedankes, der Ende September/Anfang Oktober gefeiert wird. Der ganze Monat Oktober steht in der Kirche unter den Zeichen des Dankes. Wenn er als „Marienmonat“ oder „Rosenkranzmonat“ begangen wird, so hat dies auch mit Danken zu tun.Wie schon das „Maria-NamenFest“ vom 12. September, so hat auch das Fest „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ am 7. Oktober seinen Ursprung im Abwehrkampf gegen die Türken. Es erinnert an die Seeschlacht bei Lepanto am 7. Oktober 1571. Den Sieg über die Türken schrieb man der Wirkung des Rosenkranzgebetes zu. Doch den Rosenkranz als Waffe zu sehen, wäre auch damals ein großes Missverständnis gewesen. Kern des Rosenkranzes sind die „Geheimnisse“ des Glaubens, die meditativ betrachtet werden. Das ist beachtlich: Nicht die großen Erkenntnisse oder Entdeckungen, die sich mit dem Verstand begreifen lassen, stehen im Zentrum, sondern das Nicht-Erkennbare, das Geheimnis. Der Glaube weiß um diese Weisheit – dass die Antworten auf die entscheidenden Fragen des Lebens nicht in klaren Antworten bestehen. Er lässt sich daher nicht verstehen. Geheimnisse kann man betrachten, erwägen. Sie lassen staunen oder sie ängstigen. Das Rosenkranzgebet benennt die „freudenreichen“, die „glorreichen“ oder die „schmerzhaften“ Geheimnisse des Glaubens. Es verweilt bei diesen Geheimnissen, umkreist sie in immer gleichen Formeln – aber es erklärt sie nicht. Diese Geheimnisse berühren in der Tiefe des Menschen. Lässt sich Liebe erklären? Lässt sich Schönheit verstehen? Kann man den Schmerz wegerklären? Auch Danken kommt aus der Tiefe. Eine grundsätzliche Zustimmung liegt darin. Ein Ja zum Leben. Eine Freude steckt darin, wie sie Beschenkte erleben. Ein Jahreskreis schließt sich. Ernten darf man von den Früchten des Jahres. Genießen darf man sie. Schöpfen darf man aber auch aus den Geheimnissen des Glaubens, die nicht nur den Hunger des Tages stillen. Und doch wird in diesen Wochen schon die Aussaat für das nächste Jahr gelegt.