Da steht einer an und weiß nicht weiter. Da ist einer bitter enttäuscht. Auf eine reiche Ernte hatte er gehofft, auf einen vollen Keller – und dann war nichts, absolut nichts! Nein, er hatte nicht irgendwelche Weinstöcke in ein schattiges Loch gepflanzt, sondern beste Sorte auf fruchtbare Höhe! Der Boden war ideal, mit viel Mühe hatte er jeden Stein entfernt. In seiner Gewissheit auf einen reichen Ertrag hatte er gleich mitten in das Gelände ein Presshaus gebaut und einen Keller für den köstlichen Wein. Alles umsonst! Lauter Weintrauben zum Wegschmeißen, nur saures Zeug! „Gibt es etwas, was man tun könnte für so einen Weinberg – was ich nicht getan habe?“, fragt er bitter.
Haben Sie je für einen Menschen viel Zeit, Kraft und Geld eingesetzt – ohne dass er es Ihnen gedankt hat? Haben Sie je für irgendwen über Jahre die ganze Liebe gegeben – ohne irgendeinen „Erfolg“? Der Prophet beschreibt die bittere Enttäuschung Gottes über sein Volk. Da war alle Gnade Gottes – aber keine Reaktion, keine Wirkung, keine Frucht! Fatal ist, dass die Geschichte nicht vorbei ist. Sie geht weiter durch die Menschheit bis in unsere Zeit, bis herein in mein Leben. Könnte es nicht sein, dass Gott irgendwann über die Menschheit sagt: „Es ist genug! Jetzt lasse ich Euch fallen! Jetzt überlasse ich die Welt schutzlos allem, was sie zerstört!“?
Ja, so könnte es sein. Gott könnte so reagieren. Es wäre verständlich. Es wäre logisch. Aber die Bibel ist voll von einer ganz anderen Botschaft. Einige Kapitel weiter lässt Jesaja Gott zum Volk sagen: „Kann denn eine Frau ihr Kind vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht“. (Jes 49, 15). Im vierten Hochgebet beten wir beim Gottesdienst: „Immer wieder hast du den Menschen deinen Bund angeboten und sie durch die Propheten gelehrt, das Heil zu erwarten. Sosehr hast du die Welt geliebt, heiliger Vater, dass du deinen eigenen Sohn als Retter gesandt hast . . .“ Jesus Christus hat uns erlöst von dieser Schreckensvision, von dieser Angst.Das ist schwer zu glauben und doch die Wahrheit: Gott liebt dich jetzt schon – so wie du bist, nicht erst, wenn du dich geändert hast, wenn du perfekt bist. Natürlich möchte er, dass du dich änderst. Es wäre dein eigener Vorteil. Aber um seine Liebe zu empfangen, musst du dich nicht ändern. Sie ist dir jetzt gewiss, jetzt in diesem Augenblick! Und an dieser Wahrheit wird sich nie etwas ändern! Wer in der Welt könnte je eine grundlegend positivere Nachricht in dein und mein Leben hereinsagen?