Kunst in Klöstern: Die Kirchenzeitung hat sich im Stift St. Florian umgesehen und ist fündig geworden.
Viele Klöster in Österreich waren und sind als Kulturträger wirksam. Neben „geistlichen Funktionen“ wie der Betreuung von Pfarren erfüllen Stifte zahlreiche weltliche Aufgaben. Stiftsbrauereien, Weinanbau, Käseproduktion und Forstwirtschaft zählen dazu. Ein gutes Beispiel für die überregionale Bedeutung dieser Orte ist das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian. Im 8. Jahrhundert erstmals erwähnt, ist es heute in erster Linie wegen der Florianer Sängerknaben, der Brucknerorgel, den Konzerten im Rahmen der OÖ. Stiftskonzerte und als wichtiges Baudenkmal bekannt.Wie reich St. Florian einst an Kunstschätzen gewesen sein muss, lässt sich bei einem Besuch in der Dauerausstellung des OÖ. Landesmuseums erahnen. St. Florian gilt als Mitbegründer des Landesmuseums und stellte eine beträchtliche Anzahl an Objekten für den Grundbestand der Sammlungen zur Verfügung.
Die reiche Kunstsammlung des Stifts umfasst heute Exponate aus allen wichtigen Epochen der europäischen Kunstgeschichte bis zur Moderne, wie z. B. die Sammlung Fronius. Die Gemälde, Plastiken, Grafiken wie liturgischen oder kunstgewerblichen Gegenstände stammen aus Schenkungen oder aus der gezielten Sammeltätigkeit kunstsinniger Pröpste und Chorherren.
Die Donauschule
Herausragend in dieser Reihe ist Propst Petrus Maurer, der 1508 den Auftrag zu einem Flügelaltar an den Regensburger Maler Albrecht Altdorfer vergab. Altdorfer, der ursprünglich Miniaturmaler war, gilt als Hauptvertreter der so genannten „Donauschule“. Die Kunstrichtung wurde besonders durch die Initiative des Stiftes international bekannt. Der vermutlich 1512/13 entstandene „Sebastiansaltar“ gilt neben der „Alexanderschlacht“ als das bedeutendste Werk des Künstlers und als Prunkstück der Sammlung.Neben den Werken Altdorfers finden sich in der Sammlung weit gereiste Exponate, z. B. Werke des Holländers Pieter Breughel d. J. und italienische Kunst, vertreten etwa durch Canaletto. Die meisten dieser Gemälde hängen heute dicht aneinander gereiht an den Wänden der Gotik- und Barockgalerien.
Einen systematischen Ankauf gibt es heute nicht mehr. Der Schwerpunkt liegt auf der Konservierung und Präsentation der Kunstgüter. Neben einem Besuch in den Sammlungen, der Stiftskirche und der Bibliothek lohnt sich in St. Florian auch ein Blick auf die Architektur des Stiftes. Verantwortlich für weite Teile des heute bestehenden Ensembles ist der Mailänder Baumeister Carlo Antonio Carlone, der mit St. Florian eine der eindruckvollsten Raumschöpfungen des österreichischen Barock schuf. Sehenswert ist auch der prachtvolle Marmorsaal des Tiroler Baumeisters und Stukkateurs Jakob Prandtauer, der wegen seiner ursprünglichen Bestimmung als Speisesaal für kaiserliche Besuche auch den Beinamen „Kaisersaal“ trägt.