Rund um das „Gastmahl bei T.“ – ein Bild von Oliver Dorfer – versammelte sich die Pfarrgemeinde der Stadtpfarre Urfahr. Das Projekt „Wasserzeichen“ präsentiert zeitgenössische Kunst im liturgischen Raum.
Es ist 19 Uhr. Vorabendmesse in der Stadtpfarre Urfahr. Beim Betreten der Kirche fällt zunächst die geänderte Sitzordnung auf. Die Bankreihen sind parallel zur Taufkapelle hin angeordnet. Dort hängt ein großformatiges Bild, zentral, unübersehbar, gut beleuchtet.
Die Gottesdienstbesucher/innen werden von Pfarrer Helmut Part und dem Kunstreferenten der Diözese Linz, Hubert Nitsch, begrüßt. „Sie beten nicht lateinisch, sind nicht mit der Kutsche gekommen und nicht im Frack erschienen. In ihrem Essen, ihrer Kleidung sind sie ein heutiger Mensch“, stellt Nitsch nüchtern fest und zieht daraus den Schluss, dass auch im Glauben das Heute Platz hat. Mit zeitgenössischer Kunst tun sich hingegen viele schwer – ein Phänomen, das in jedem Jahrhundert zu beobachten ist.Das Projekt „Wasserzeichen“ will hier neue Wege eröffnen. Es ist ein gemeinsames Projekt der Stadtpfarre Urfahr und des Kunstreferats der Diözese. Durch wechselnde zeitgenössische junge Kunst soll das Zeitgeschehen in den Kirchenraum hereingenommen und die Auseinandersetzung damit gefördert werden. „Gelebter Glaube, der die Kommunikation mit der heutigen Bildwelt sucht, erfährt dadurch Bereicherung“, beschreibt Nitsch seinen Zugang zur Kunst.
Mit dem großformatigen Bild „Gastmahl bei T.“ des Linzer Künstlers Oliver Dorfer wurde das Projekt „Wasserzeichen“ im Rahmen einer liturgischen Feier eröffnet. Das Diptychon „Gastmahl bei T.“ stellt Dorfer – der von dieser Initative ganz angetan ist – unentgeltlich bis 26. Dezember zur Verfügung. Der beim Gottesdienst anwesende Künstler gab Sehhilfen zu seinem Werk. „Gastmahl bei T.“ ist geprägt von Dorfers Kindheitserinnerungen in New Delhi. Hunger, Leid, Armut waren damals allgegenwärtig.
Nach der liturgischen Feier waren alle eingeladen, ihre eigenen Anmerkungen zum Bild zu machen. Beeindruckend, was dabei zur Sprache kam.
Bei der langen Nacht der Museen am 5. Oktober ist die Kirche von 20 bis 24 Uhr geöffnet. Alle 15 Minuten wird eine Bibelstelle zum Thema Gastmahl gelesen.