Wer den Partner durch eine Konstruktion, ein Wunschbild, ein Idealbild ersetzt, verliert den Bezug zu ihm und letztlich die Beziehung. Tatsachen werden nicht mehr wahrgenommen oder nicht anerkannt und somit verdrängt. Sich ein Bild machen, dies mag absichtlich geschehen oder unbewusst, ein Motiv steht immer hinter dem Verkennen und Verdrängen. Hier schafft sich ein Mann ein Zerrbild von seiner Frau, um es als Waffe gegen sie zu richten. Dort werden aus Feindseligkeit falsche Bilder geschmiedet. Manchmal werden scheinbar aus positivem Antrieb, gar aus Freundlichkeit Bilder gefertigt. Ein Partner hält das einmal erfahrene Bild des anderen fest: „Für mich bleibst du immer und ewig ...“ Paarwidrig ist nicht nur die Verteufelung des Partners, sondern auch das genaue Gegenteil, die Vergötterung, die Erschaffung und Inthronisation eines Idealbildes. Es ist eine seltsame Liebe, die nicht einem wirklichen Menschen gilt, sondern einer Kopfgeburt des „Liebenden“. Je weiter sich das Blendwerk von der Wirklichkeit entfernt, desto größer ist das Risiko enttäuscht zu werden und umso heftiger die Ernüchterung. Letztlich schlägt Enttäuschung in Aggression um, denn falsche Bilder fesseln, engen ein, behindern. Wer Ersatzbilder für die harte Wirklichkeit sucht und sich diese einbildet, verbildet sich die Fantasie, aber auch die Realität.