Die Kapuziner halten die Marienverehrung hoch. Das ist an vielen äußeren Merkmalen zu erkennen, vor allem aber in ihrer Spiritualität zu spüren.
Ein äußeres Merkmal sind die Lourdesgrotten, die sich in den Klosterkirchen der Kapuziner finden. Viele entstanden vor etwa hundert Jahren. Es war eine Zeit, als die Menschen in der Welt noch nicht weit herumkamen, aber Lourdes die Frömmigkeit vieler prägte. Ihnen brachten die Kapuziner Lourdes nahe.
Franziskus und Portiunkula
Die Lourdesgrotte in der Rieder Klosterkirche ist auch heute noch ein gerne besuchter Ort. Viele Kerzen brennen hier. Der Blumenschmuck (für den treu ein Geschwisterpaar sorgt) zeugt von der starken Verankerung in der Bevölkerung. Die Marienverehrung der Kapuziner geht auf den hl. Franz von Assisi zurück. Maria war ihm Pforte zu Jesus und ein Vorbild des rechten Hörens. Das Portiunkula-Kirchlein (St. Maria von den Engeln) wurde für ihn der Ort, an dem er sich am liebsten aufhielt. In den Kapuzinerkirchen wird bis heute der Portiunkula-Ablass gepflegt (2. August).
Maria als Vorbild
Die Kapuziner leben ein einfaches Leben. Franziskus und Maria weisen den Weg. Maria wird nicht alleine gesehen, sondern in ihrer besonderen Rolle, „dass sie uns den Erlöser geschenkt hat und dass sie die Armut gelebt hat“, wie Pater Guardian Berthold M. Brandl erläutert.
„Maria als Vorbild im Glauben und mächtige Fürsprecherin“ sind die Lieblingsthemen von Pater Alfred Stephan, wenn er eine Marienpredigt hält. Oft schon begleitete er eine Pilgergruppe nach Assisi, wobei der Besuch der Portiunkula-Kirche immer ein wichtiger Teil des Programms ist. Echte Marienverehrung führt zu Christus hin. Das kommt gerade auch in den Feiern in Lourdes zum Ausdruck. – „Durch Maria zu Jesus, zum eucharistischen Christus!“
Menschenfreundlichkeit
Braucht es bei Gott Fürsprecher? Pater Alfred verweist auf den Satz Jesu am Kreuz zu Johannes: Sieh da deine Mutter! „Dieser Satz ist zu allen Gläubigen gesprochen.“ Die Hinwendung zur Mutter ist etwas Archaisches, zutiefst im Menschen angelegt. „Das Emotionelle kann man nicht ausschließen.“ Die Menschen schätzen die Warmherzigkeit der Patres vom Kreuzberg. Sie sind gesuchte Beichtväter. Ihre Predigten richten auf, weil sie die Barmherzigkeit Gottes glaubwürdig vermitteln. Der Besuch der Sonntagsgottesdienste in der Kapuzinerkirche und der täglichen Messen ist entsprechend gut, ebenso die Teilnahme am täglichen Rosenkranz-Beten oder im Mai an den täglichen Maiandachten bzw. an besonderen Festen, etwa an der Lourdesfeier im Februar.Die Kapuziner wurden die „Brüder der kleinen Leute“ genannt. Und das sind sie noch heute. Ihre Volksverbundenheit ist wohl auch auf die Freiheit zurückzuführen, die ein einfaches, materiell anspruchsloses Leben erlaubt. Das macht frei für die Gemeinschaft und den Dienst an der Gemeinschaft durch das Sakramentenspenden (z. B. Beichte, Krankensalbung).
Kapuziner
Zur Sache
Die Kapuziner wuchsen als Reformbewegung 1528 aus dem Franziskanerorden heraus. Bruder Matteo wollte der Radikalität des heiligen Franziskus (1182–1226) nachfolgen. In den stürmischen Anfangsjahren schien es, als ging der junge Orden unter. Doch schon ab 1600 gründeten die Kapuziner nördlich der Alpen erste Klöster. 1644 wurde das Kloster Ried/I. errichtet. In der Nordtiroler Provinz wirken heute in neun Niederlassungen (Dornbirn, Feldkirch, Gauenstein, Imst, Innsbruck, Landeck, Ried im Innkreis, Ried in Tirol und Salzburg) 43 Kapuziner. In Oberösterreich gibt es – in Gmunden – noch ein zweites Kapuzinerkloster, es gehört zur Wiener Provinz. Weltweit sind etwa 11.000 Brüder beim Kapuzinerorden.