Angst ist ein ganz normales menschliches Gefühl wie Freude und Wut. Angst macht uns auf Gefahren aufmerksam. Wenn Angst jedoch das Leben dominiert, ist Zeit zu handeln. 10 % der Österreicher/innen leiden an einer behandlungsbedürftigen Angststörung.
Eine krankhafte Angststörung führt zur Beeinträchtigung der Lebensqualität. Der tägliche Einkauf im Supermarkt wird zur Bedrohung. Kontakte zu Freunden werden seltener, Urlaubsreisen rücken in weite Ferne. Es gibt verschiedene Angsttypen. Zum Beispiel die „Zwangsstörung“: Bevor Frau Huber ihre Wohnung verlassen kann, muss sie mehrmals durch alle Zimmer gehen, um sich zu vergewissern, dass alle elektrischen Geräte wirklich ausgeschaltet sind. Ohne bewussten Kontrollgang überfällt sie unterwegs die Panik. Zwangsrituale dienen hier zur Beseitigung von Angst und Unsicherheit und treten bei 2,5 Prozent der Angstpatienten auf. Herrn Neuhauser bringt niemand in ein Flugzeug, den Lift oder U-Bahnen benützt er grundsätzlich nicht. Er hat Angst vor bestimmten Objekten und Situationen. Susanne W. weiß um ihre Angst vor Hunden. Nähert sich ein bellender Vierbeiner, bekommt sie Herzrasen, ihre Handflächen werden feucht. Sie sucht hektisch nach Fluchtmöglichkeiten, weicht großräumig aus. Schon mehrmals hat sie auf ihre Spaziergänge verzichtet. Die Angst vor herumlaufenden Hunden war größer als ihr Bedürfnis nach Bewegung in freier Natur. Herr Neuhauser und Susanne W. leiden unter einer „spezifischen Phobie“, die bei ca. 11,3 Prozent der Angstpatienten vorkommt. Ängste dieser Art sind uns vertraut – aus Erzählungen oder eigener Erfahrung. Viele haben ihre kleinen Phobien und Zwänge, die sie im Alltag hegen und pflegen. Beunruhigend sind Ängste dann, wenn sie beginnen, das alltägliche Leben zu dominieren. Wer öffentliche Plätze meidet, keine öffentlichen Verkehrsmöglichkeiten mehr benutzen kann, sich vor Menschenansammlungen fürchtet oder immer Angst hat, sich ständig vor anderen zu blamieren („soziale Phobie“), dessen alltägliches Leben ist stark beeinträchtigt. Herzrasen, Schwindelgefühl, Atembeschwerden, Übelkeit, Hitzewallungen sind ernst zu nehmende Angstsymptome. Ist unsere Generation besonders ängstlich? Schwer zu sagen, da es Untersuchungen darüber noch nicht allzu lange gibt. Auffallend ist: Ängste haben einen besseren Nährboden bei schlechterer Wirtschaftslage und ändern sich je nach geschichtlichem Hintergrund. Im 19. Jahrhundert war es bei Frauen gang und gebe in Ohnmacht zu fallen.
Tipp
Ratgeber: Wege aus der Angst
Im neuen Ratgeber „Die zehn Gesichter der Angst“ von Mag. Sigrid Sator und Dr. Hans Morschitzky werden zehn weit verbreitete Angststörungen detailliert beschrieben; von Panikattacken bis zur Platzangst und einer generellen Angststörung. Ein Fragebogen hilft dem Leser und der Leserin zu erkennen, ob eine bestimmte Angststörung vorliegt. Im zweiten Teil des Buches werden sieben Schritte zur Angstbewältigung vorgeschlagen. Ein erster lautet: Blicken Sie Ihrer Angst ganz nah ins Gesicht. Angstsituationen nachzustellen und die Spirale des negativen Denkens zu durchbrechen sind weitere Schritte, um den Kreislauf der Angst zu durchbrechen. Ein gelungener Ratgeber, der Mut macht!
Sator S./Morschitzky H., Die zehn Gesichter der Angst. Ein Selbsthilfe- Programm in 7 Schritten. Walter Verlag, E 15,40.