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Wo Gottes Geist aufleuchtet

Zur Ausgestaltung der neuen Kirche in Telfs in Tirol durch den Künstler Maurizio Bonato
Ausgabe: 2002/42, Gottes Geist, Geist, Gott, Kirchenneubau, Telfs, Bonato
15.10.2002
Kirchenneubauten sind in Österreich selten geworden. Die Kirche des neuen Pastoralzentrums Telfs-Schlichtling in Tirol ist aber nicht nur deshalb interessant, sondern auch wegen der Annäherungen des jungen Künstlers Maurizio Bonato an den Heiligen Geist.

In meiner Kindheit hat mich meine Mutter bei Verkühlungen oft mit einer Salbe eingerieben, deren Duft mir heute noch im Gedächtnis ist. Das war etwas Besonderes und etwas besonders Wohltuendes.

Bei Empfindungen und Erfahrungen und nicht beim Verstehen setzt auch die Bildsprache von Maurizio Bonato an. Die in der Kirche vorzufindenden Elemente der Darstellung sind denkbar einfach: Stoff, Folien, Digitaldruck, Metallpack, Pigmentfarben. Ein Weg, Verhülltes, eine Salbung, Öl, eine Menschengestalt.

Die schlichte Architektur von Peter Turner findet ihre Fortsetzung in einer schlichten bildnerischen Umsetzung des spirituell tiefen und schwierigen Themas.

Heiliges Öl spielt eine Rolle bei den kirchlichen Knotenpunkten unseres Lebens: Taufe, Firmung, Priesterweihe, Krankensalbung. Öl war von jeher ein Zeichen für Stärkung, Erwähltsein und Auftrag. Salbung und wohlriechendes Öl werden auch eingesetzt in der Krankenpflege. Nicht nur Bettlägrige empfinden es als Wohltat, obwohl der Hautkontakt beim Auftragen besonderer Nähe bedarf und nur möglich ist im Raum des Vertrauens und des Annehmens eines Geschenkes.

Der Hl. Geist – ein Geschenk


Ähnlich verhält es sich mit dem Heiligen Geist. Es gibt ihn nur als Geschenk und darin für den Menschen, der im Vertrauen seinen Weg geht. Er trifft mich und will mein Innerstes. Und er verschiebt die Grenzen, wenn er sie nicht sogar auflöst. Jedenfalls ist er da am Beginn des Lebens im Bild der Taufe, im letzten Atemzug eines Menschen, in der sich gebärdenden Kraft eines Erwach-senden bei der Firmung, auch bei der Priesterweihe. Aber auch im Alltag, beim Lesen der Zeitung, beim Abendessen.

Der Geist bewegt


Zwischen innen und außen unserer Bauten stehen die Fens-ter. Bonato spannt ihnen zwölf Tücher vor. Damit setzt er ein bewusstes Zeichen an der Grenze und gibt uns ein Bild für den Heiligen Geist, sein Wirken, sein Bewegen. Die leise Bewegung des Tuches bei einem sichtbar werdenden Hauch, seine Anwesenheit im Ungewissen, das dahinterliegt und im Licht doch Vorhandenes signalisiert: Der Geist bewegt.

Bewegung ist auch gefordert im Abschreiten des Bodenfrieses. Dem Rund der Mauer entlang sind 114 Bilder eingelassen. Dem schnellen Betrachter erschließt sich nichts. Erst im Abschreiten und bewussten Blick auf den Boden wird eine Bilderfolge erkennbar. Sie zeigt in Teilaufnahmen den Körper einer Frau, die mit ölgetränkten Tüchern gesalbt wird. Eine Männerhand legt die Tücher auf. 62 Bilder von Fotogrammen einer Videoaufnahme werden erweitert durch 52 Bilder, die mit Pigmentfarben auf Metallpack gemalt wurden.

Von Mann und Frau


Einst salbte Maria Magdalena den Mann Jesus. Sie setzte damit ein Zeichen. Bei Bonato salbt eine Männerhand eine Frau. Den Betrachter begleitet diese Hand im Abschreiten des Weges. Er muss feststellen, dass sich die Bilder überlagern, dass sich das dargestellte Subjekt entzieht und eine Entkörperung des konkreten Bildes stattfindet.

Wir wissen nicht, was passiert, wenn sich der Schritt von der Materie zum Geist vollzieht. Wir können diesen Schritt weder am Mann noch an der Frau festmachen.

Der Blick zum Boden wird erhellt durch den direkten Lichteinfall im Dach mit Blick zum Himmel. Die Wirklichkeit am Boden wird undurchschaubarer und gleichzeitig auch erahnbarer. Im Gegensätzlichen, das zu einer Einheit findet, ist auch der Geist zu Hause. Und das alles vollzieht sich am Bild des Menschen.

Das Bild des Menschen


Das Bild des Menschen in seiner Verwandlung und in seinem Verschwinden ist auch das Thema der zwölf menschengroßen Bilder an der Altarwand. Das Prinzip des Heiligen Geistes ist schwer fassbar. Bei Maurizio Bonato hat es doch einen Ausdruck gefunden: der Mensch, sein Gesalbtsein und sein stetes Unterwegssein an der Grenze. Und hoffentlich manchmal darüber hinaus.

Hubert Nitsch
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