Die Arbeit an den Trauben neigt sich dem Ende zu. Was dann geschieht, hat viel mit dem Glauben zu tun. In den Kellern gärt es.
Der Mensch kann höchstens für gute Bedingungen sorgen, dass der Gärungsprozess in den Fässern gut gelingt. Ansonsten muss er warten. Oder: Er darf warten. Was in den Kellern der Obst- und Weinregionen jetzt geschieht, ist eine Wandlung. In den Berufen, die mit der Natur verbunden sind, ist der Herbst eine Zeit des Rastens und des Verkostens. Was jetzt noch nötig ist, überlässt man den biologischen Prozessen. Selber braucht man vor allem Geduld. Warten muss man können.
Für vieles konnten sich die Menschen im Herbst leichter Zeit nehmen. Kultur, Musizieren, Geselligkeit. Heute leben Menschen freilich in völlig verschiedenen Rhythmen des Lebens. Während bei den einen die Zeit des Rastens ist, haben andere Hochsaison, was ihre Arbeit betrifft. Das „Arbeitsjahr“ orientiert sich bei immer mehr Menschen am Schuljahr. Selbst der „Pfarrbetrieb“ hat sich zumeist diesem Rhythmus angepasst.
So ist es also, bei der Fülle an Angeboten, Erwartungen und Einladungen, gar nicht so einfach, wirklich den von der Natur geschenkten Freiraum zu nutzen. Dabei wäre es so gut, an sich selbst geschehen zu lassen, was auch mit dem Wein in den Fässern geschieht: Ein Gärungsprozess, der klärt. Dazu braucht der Wein Ruhe. Aus dem Saft, der ständig aufgewühlt wird, wird kein ordentlicher Wein.
Die Natur ist jetzt eine einzige Einladung, zur Ruhe zu kommen. Die Farbenpracht der Bäume. Die Stille an den Gewässern, Wolkenstimmungen, das Treiben der Tiere in freier Landschaft. Man wird lange davon zehren müssen, denn es kommen auch die grauen, auf das Gemüt drückenden Tage. Geradezu eine Sünde wäre es, all dies einfach zu missachten – als ob man diese kunstvoll gestaltete Einladung Gottes ausschlagen würde.
Es ist eine Zeit des Betrachtens. So viel Schönes gibt es und Gutes, fast ohne menschliches Zutun ist es da. In einer Ideologie des Machens und der Geschäftigkeit täte es gut, all das wenigstens wahrzunehmen. Nicht umsonst hat Jesus den Wein als dichtestes Symbol einer Wandlung gewählt.