Ausgabe: 2002/42, Rücken zur Wand, Jimmy Carter, USA, Bush, Nobelpreis, Frieden, Moskau
15.10.2002
- Walter Achleitner
Es ist enttäuschend, wie das Nobelpreiskomitee geflohen ist: aus der friedlosen Gegenwart in die Vergangenheit. Mit der Vergabe des Friedensnobelpreises an den im Weißen Haus glücklos gescheiterten Jimmy Carter wird Geschichte nachgeholt. Dem 78-jährigen Ex-Präsidenten wird nachgereicht, wofür zwei Politiker vor 24 Jahren bereits in Oslo den Preis empfangen haben: für den israelisch-ägyptischen Friedensschluss, den Begin und Sadat nicht ohne Carter zustande gebracht hätten. Denn dass der „erfolgreiche Erdnussfarmer“ sich zuletzt kein Blatt vor den Mund genommen hat, wenn es um die Kriegspläne von George Bush gegen den Irak ging, ist wohl die Ehre noch nicht wert. Oder sind wir heute schon so weit wie 1975, als der Nobelpreis für den Regimekritiker Andrej Sacharow die Machtelite in Moskau bloßstellen sollte?