Anna ist schon Ende 30. Immer wieder wird sie von Verwandten und Bekannten gefragt, warum sie keinen festen Freund hat, warum sie noch immer nicht verheiratet ist. Diese Fragen ärgern sie und setzen sie gleichzeitig unter Druck. Ganz leise spürt sie selbst, wie sehr sie sich nach einer Partnerschaft sehnt. In der Beratung sagte sie: Ich möchte draufkommen, was mich hindert, mich auf einen Mann einzulassen, warum ich große Angst davor habe.
Über ihre Familiensituation erzählt Anna weiter: Von fünf Kindern ist sie das jüngste. Vater und Mutter lebten und leben auf Distanz, ihr Vater ist Alkoholiker. Eigentlich wollte ihre Mutter vor ihrer Ehe einen anderen Mann heiraten. Diese Beziehung ging auseinander. Die Gründe dafür sind ihr unbekannt. Anna spürte schon als kleines Mädchen: Das ist nicht der „richtige“ Mann für meine Mutter – sie träumt von einem anderen, den sie geliebt hat, und leidet unter dem Angetrauten. Das Leben mit ihm ist schwer.
Anna leidet mit der Mutter und fühlt sich mit ihr sehr verbunden, sie tut ihr unsagbar Leid. Den Vater lehnt sie ab – er ist schuld am schlechten Leben ihrer Mutter. Gleichzeitig vermittelt ihr die Mutter: „Lass die Finger von Männern, sie bringen nur Unglück! Es kann nur schief gehen, schau mein Leben an!“ – selbst wenn solche Sätze nie ausgesprochen wurden.
Anna beginnt früh, Männern gegenüber äußerst vorsichtig zu sein, sie sich vom Leib zu halten. Immer dann, wenn Nähe entstehen würde, stößt sie sie zurück. Panik kommt hoch, wenn sie merkt, dass ihr einer gefällt, denn dann sind die Gedanken da: „Es kann sowieso nicht gut gehen.“ Haltung und Worte der Mutter tun ihre Wirkung.
Anna darf ihre Gedanken umformulieren, etwa in Sätze wie: – Mein Leben mit einem Mann darf schön und erfüllend sein. – Ich darf mich für den „Richtigen“, d. h. für den, den ich liebe, entscheiden. – Meine Vorsicht hilft mir dabei, nein zu sagen, wenn ich spüre, dass eine Beziehung nicht passt. – Ich darf alte, übernommene Vorstellungsbilder loslassen und durch neue, eigene ersetzen.
Solche und ähnliche Gedanken könnten ihr helfen, sich von ihren Ängsten zu befreien.
Karin Remsing ist Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin in der Diözese Linz.