Frauen in typisch männlichen Berufen müssen besonders stark sein
Ausgabe: 2002/42, Frau, Arbeit, Beruf, Steyr, Ausstellung, Women at work, Museum Arbeitswelt, Alisa Douer
15.10.2002
- Elisabeth Leitner
Schädlingsbekämpfungsmeisterin und Revierinspektorin – das sind nur zwei der ungewöhnlichen Berufe, die bei der Ausstellung „Women at Work“ vorgestellt werden. Frauenarbeit und Männerarbeit: ein Spannungsfeld.
Wir sehen sie tagtäglich: die Kassierin im Supermarkt, die Verkäuferin im Kleidergeschäft. Die klassischen Lehrlingsberufe, die Frauen ergreifen, sind nach wie vor Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Friseurin. Frauen können heute fast alle Berufe ausüben. Sich als Frau in einem typischen Männerberuf zu bewähren, dazu bedarf es Mut, Abenteuergeist und Durchsetzungskraft. Als angehende Spenglerin oder Dachdeckerin ist ein weiblicher Lehrling meist die Einzige ihrer Art im Klassenzimmer. In den Anfängen kämpfen Frauen oft mit fehlender Akzeptanz bei Kollegen oder Kunden. Je länger der Beruf ausgeübt wird, umso größer ist das Zutrauen, berichten Frauen in Männerberufen.
Mut und Durchsetzungskraft
Roswitha Furgler, eine Maschinenbaumeisterin, erzählt: „Frauen nimmt man nicht so ernst, was diesen Beruf anlangt. Aber man kann es lernen, wenn man will. (...) Für mich ist es so: Das, was Männer können, können wir auch und wer wirklich Interesse hat, für den ist dieser Job empfehlenswert.“ Sie ist Maschinenbaumeisterin bei BMW Steyr. Frauen in Männerberufen – das ist ein Spannungsfeld. Frauen und Erwerbsarbeit, die außer Haus geleistet wird, das andere.
Gerne wird in diesem Zusammenhang von der „guten alten Zeit“ gesprochen. Damals, als die Welt noch in Ordnung war: die Frauen zu Hause und die Männer in der Arbeit. Geduldet waren noch jene Frauen, die als Sekretärinnen das Familieneinkommen auffetteten. So hartnäckig dieses Bild der glücklichen Familie auch in unseren Köpfen herumgeistert, so wenig hat es mit der Wirklichkeit zu tun. Im 19. und im 20. Jahrhundert waren ungefähr gleich viel Frauen berufstätig wie heute. 1890 machte der Anteil an weiblicher Berufstätigkeit 42,9 Prozent aus, 1997 lag der Anteil bei 42 Prozent. Hinlänglich bekannt ist, dass Frauenjobs immer schlechter bezahlt waren und sind als typische Männerberufe. Nicht nur, dass Frauen von bestimmten Arbeitsplätzen fern gehalten wurden, weil sie angeblich zu schwach waren, hatten sie auch schlechtere bis gar keine Ausbildungsmöglichkeiten. Die Grenzen zwischen Männer- und Frauenarbeit verwischten in Kriegszeiten. Als Not am Mann war, mussten Frauen während des 2. Weltkriegs jene Arbeiten erledigen, für die sie noch wenige Jahre zuvor zu schwach waren. Das zeigt einmal mehr: Was möglich ist, hängt von gesellschaftlichen Strömungen ab und nicht vom „Geschlecht“.
Zur Sache:
Frauenarbeit und Männerarbeit. Wussten Sie, dass ... ... der Frauenanteil bei den Erwerbstätigen derzeit bei 43 % liegt? ... dass Frauen im Ruhestand durchschnittlich Euro 720, Männer durchschnittlich 1.300 Euro erhalten? ... dass nur zwei Prozent der Männer in Karenz gehen?
Roswitha Furgler lebt und arbeitet in Steyr. Sie ist Maschinenbaumeisterin, ein „typischer“ Männerberuf. Im Jahr 1999 haben 2.493 Mädchen die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau abgeschlossen, 99 wählten den Beruf der Tischlerin, 13 ließen sich zur Glaserin ausbilden.
58 Portraits von Frauen in Männerberufen: Die Ausstellung „Women at Work“, die bis 23. November im Museum Arbeitswelt in Steyr zu sehen ist, kann bei der Fotografin Alisa Douer entlehnt werden. Tel. 01/504 35 39.