Zuerst ertönt die Geige, dann werden gemeinsame Projekte ins Auge gefasst. Musik gilt dabei als Brückenbauerin.
Volksmusik, Tanzlust, Vorträge, Solarenergie für die Ukraine, Bildungsoffensive in Brasilien – all das lässt sich beim Kulturprojekt „Sunnseitn“ unter einen Hut bringen. Diesen Hut trägt sichtbar der Geiger Gotthard Wagner, der den gemeinnützigen Verein leitet. Im Büro der „Sunnseitn“ in Feldkirchen konzentriert sich die kulturpolitische Arbeit und das soziale Engagement auf einige Quadratmeter. Zur Zeit sind Lieferungen in die Ukraine unterwegs, vier Container voll mit Waren aller Art. Wie kam es dazu? „1992 hatten wir einen Tanzkurs am Roten Platz in Moskau. Dort haben wir einen begnadeten Tänzer aus der Ukraine kennen gelernt. Einige Jahre später hat dieser Tänzer, ein Doktor der Meeresbiologie, wieder angerufen. Er war auf der Suche nach Energie-Alternativen für die Ukraine“, berichtet Wagner. „Die Musik war bei den folgenden Besuchen immer dabei und hat die Kommunikation erleichtert. Die Erfahrung war: Über die Musik können wir uns gut unterhalten. Die gegenseitige Wertschätzung war auf dieser Ebene vorhanden. Danach haben wir das Projekt entwickelt. Behördenmäßig bedeutete die Zusammenarbeit zwar einen Spießrutenlauf, aber jetzt läuft’s.“ Während in der Ukraine eine Warmwasser-Aufbereitungsanlage mit Solarenergie in einem Kindersanatorium errichtet wird, sind in Brasilien Bildungsprojekte für Kinder entstanden bei den Landlosen in Rio Grande do Sul und in der Favela Rocinha in Rio de Janeiro. Auch dort das gleiche Prinzip: zuerst die kulturelle Begegnung, dann ein gemeinsames Projekt bei Bedarf. Wagners Erfahrung: „Gemeinsames Musizieren bedeutet, dass die Menschen über alle wirtschaftlichen Grenzen hinweg auf gleicher Ebene miteinander kommunizieren können. Musik verbindet.“