Man sieht wenig in der Krypta der Stiftskirche von Waldhausen. Aber das wenige sagt alles. Ein schmuckloser weißer, tonnengewölbter Raum, an der Stirnwand die Nischen für Gebeine der Toten. Vier dieser Nischen sind nicht mit Steinplatten verschlossen. Glasscheiben geben den Blick frei in das Innere: auf Totenschädel und Knochen. Ansichtig wird die Wahrheit jedes Menschenlebens – auch des eigenen: Wer näher tritt, sieht sich selbst – in Spiegeln, mit denen vier weitere Nischen verschlossen sind. Tod – ein machtvolles Wort, aber nicht das letzte. Schaut man genau, sind Spiegel und Glasscheiben in Kreuzform angeordnet. Keine großen Worte, keinen langen Erklärungen, ein schlichtes Symbol lässt tiefer sehen – auf den gekreuzigten Auferstandenen.