Was das Kirchenjahr bietet, ist den Menschen oft nicht gut genug. Für die Sehnsucht nach „besonderen Tagen“ bietet auch der gewöhnliche Jahreskalender Impulse.
Schon gehört vom Tag der Zahngesundheit? Im Oktober war er. Bekannter ist vielleicht der Welt-Tierschutztag, den andere als den Tag des Franz von Assisi in Erinnerung haben. Mit mehr oder minder guter Absicht proklamieren Organisationen ihre besonderen Tage. Der kirchliche Festkalender hat mächtig Konkurrenz bekommen. Wer würde sich schon an Martin erinnern, wenn da nicht das Ganserl wäre? Es geht gegen Allerheiligen zu. Weltspartag ist angesagt. Ein symbolstarker Tag in einer Zeit, in der der Lauf der Wirtschaft über Wohl und Wehe des Lebens zu entscheiden scheint.
Und dann kommt Halloween, dieses Lichtfest, das sich innerhalb weniger Jahre in Europa verbreitet hat. Als keltischer Brauch kam Halloween nach Amerika. Verquickt mit Vermarktungsstrategien kam es von dort zurück nach Europa. Mit Süßigkeiten zu Halloween kann man eben bessere Erträge erzielen als mit Allerheiligenkerzen.
Man muss nicht zynisch sein. Auch die weltlichen „besonderen“ Tage können Anlass zur Lebens-orientierung bieten. Der Weltspartag ganz besonders. Er wirft die Frage des Umgangs mit dem persönlichen Besitz auf. Wie man anlegt, was man besitzt, davon spricht auch schon die Bibel. Man soll es auf kluge Weise tun. Der Verwalter, der das ihm anvertraute Geld einfach liegen lässt, schneidet nicht gut ab. Es wäre besser, man nähme ihm auch das noch weg, was ihm geblieben ist.
Gut mit dem umzugehen, was man hat, ist eine Tugend und kein Laster. Auf dem Besitz aber sitzen zu bleiben, ihn nicht fruchtbar zu machen, ist Sünde. Nicht um den eigenen Profit, sondern um die gute Sache und um die gute Tat geht es – wenn es ums Geld geht in der Bibel. Dass der Weltspartag so unmittelbar vor Allerheiligen und Allerseelen angesiedelt ist, gibt dem Ganzen noch eine zusätzliche Spannung. Von den „Seligpreisungen“ wird man zu hören bekommen. Gemeint sind nicht jene, bei denen sich Guthaben angesammelt haben, vielmehr jene, bei denen nichts liegen geblieben ist, was andere zum Leben gebraucht hätten. Die letzten Zinsen zahlt keine Bank. Die Endabrechnung wird an anderer Stelle erledigt.