Welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Was ist das Entscheidende? Worauf kommt es letztlich an? Der Mensch möchte es wissen. Er möchte das Schwierige, Unüberschaubare auf den Punkt bringen, das Komplizierte einfach machen. Jesus tut es. Und in dieser knappen Antwort steckt jetzt alle Weisheit Gottes und der Welt. Man könnte meinen: Damit wäre jetzt alles klar. Jedes Kind müsste das doch verstehen.
Warum ist dann die Welt so, wie sie ist? Heinrich Böll schreibt: „Ich frage mich vieles, vor allem das eine: Wie kann es möglich sein, dass über eine Milliarde Christen diese Welt so wenig zu verändern vermögen, eine Welt des Terrors, der Unterdrückung, der Angst? Eine christliche Welt müsste eine Welt ohne Angst sein . . .“ Aber dann sagt er: „Doch die andere Vorstellung ist noch weit gespenstischer: wie diese Welt aussähe, hätte sich die nackte Walze einer Geschichte ohne Christus über sie hinweggeschoben . . . Ich überlasse es jedem Einzelnen, sich den Albtraum einer heidnischen Welt vorzustellen, in der Gottlosigkeit konsequent praktiziert würde, wo der Mensch erbarmungslos in die Hände des Menschen fällt.“ Und dann schreibt Böll sein berühmt gewordenes Wort: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen Welt vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und Liebe für die, die der gottlosen Welt nutzlos erscheinen und erschienen . . .“
Wenn ich meine Augen und Ohren aufmache, wenn ich hinschaue auf das Leben, wie es ist, wenn ich ernst nehme, was vorgeht in unserer Gesellschaft und in unserem kleinen Leben, dann komme ich zu der Überzeugung: Überall, wo etwas ist, was hilft, was gut tut, was uns leben und aufleben lässt, trägt es die Züge von Jesus Christus. Wo Menschen tun, was er sagt, geht es mit der Welt in eine gute Richtung.
Es gibt ein großes Problem für die Lösung all der vielen Probleme dieser Erde, die uns bedrohen: das menschliche Herz. Es müsste gewandelt, verändert werden.Nach wie vor sind auf der ganzen Welt unzählige Menschen darin im Einsatz, die Botschaft Jesu in das Leben möglichst vieler Menschen zu bringen. Wo diese Botschaft wirklich den Menschen erreicht, verwandelt es sein Herz und damit alle Zustände bis in die Details.
Franz Haidinger, seit neun Jahren Pfarrer in Traunkirchen, ist vielen durch Glaubensseminare, Besinnungstage und Exerzitien bekannt.