Nach 433 Jahren führt Johannes Paul II. den vierten Rosenkranz ein
Ausgabe: 2002/43, Benno, Rosenkranz, Papst,
24.10.2002
- Walter Achleitner
Am 24. Jahrestag seiner Wahl zum Papst hat Johannes Paul II. dazu aufgerufen, den Rosenkranz neu zu entdecken.
Hundert Jahre ist es her, dass ein Papst den Beginn seines 25. Pontifikatsjahres begangen hat: zuletzt war es am 20. Februar 1902 Leo XIII. im Alter von 91 Jahren. Und Johannes Paul II. ist in der Kirchengeschichte der insgesamt vierte Nachfolger auf dem Stuhl des hl. Petrus, der diese Zahl von Amtsjahren erreicht. Entsprechend festlich war denn auch die Generalaudienz am 16. Oktober, der den 24. Jahrestag der Wahl Karol Wojtylas zum Oberhaupt der katholischen Kirche markierte.
Zehntausende waren auf den Petersplatz gekommen. Bei strahlendem Sonnenschein machte sich schon vor dem Eintreffen des Papstes eine nahezu volksfestartige Stimmung breit. Doch Johannes Paul wollte sich nicht nur feiern lassen. Er hatte den Beginn seines „runden“ Pontifikatsjahres als den Moment für eine programmatische Botschaft ausgewählt. Seine Ansprache begann der Papst mit einer unmissverständlichen Absage an alle Spekulationen um seinen Rücktritt. Wie bei der Reise nach Polen im August rief er die Fürbitte Mariens um körperliche und geistige Kraft an, damit er seine Mission bis zum Ende erfüllen könne.
Ein Jahr des Rosenkranzes
Doch der Papst hielt sich nicht lange mit persönlichen Dingen auf, sondern richtete unvermittelt den Blick auf die Zukunft. Überraschend rief er ein weltweites „Rosenkranz-Jahr“ bis Oktober 2003 aus. Gleichzeitig verkündete er eine Reform dieses in den letzten Jahrzehnten etwas vernachlässigten Gebets, von dessen Wiederbelebung er sich Impulse für die katholische Frömmigkeit und für den Weltfrieden verspricht.
Begleitet von einem vielstimmigen Ave Maria unterschrieb der Papst dann das Dokument „Der Rosenkranz der Jungfrau Maria“ (Rosarium Virginis Mariae). In dem Apostolischen Schreiben, das als Gebetsschule gelesen werden kann, fügt Johannes Paul den je fünf Gesätzchen des freudenreichen, des schmerzhaften und glorreichen Rosenkranzes fünf neue „lichtreiche Geheimnisse“ hinzu. Mit dieser ersten Veränderung seit 1569 unterstreicht der Papst, dass der Rosenkranz eine Kurzfassung des Evangeliums sein will. Darüber hinaus enthält das Dokument Vorschläge, die der Gebetsform zu neuem Leben in den Familien, Gemeinden und in der persönlichen Frömmigkeit verhelfen wollen.
Interview
Das ist ein großer Impuls
Pater Benno, was ist für Sie das Wichtigste am Schreiben des Papstes zum Rosenkranz? P. Benno: Man muss dankbar sein, dass der Papst auf die Bedeutung dieser Gebetsform hingewiesen hat. Vor allem aber, dass er die nächsten zwölf Monate zum Jahr des Rosenkranzes ausgerufen hat. Das ist ein großer Impuls.
Was sind die Hauptaussagen? P. Benno: Ich denke, der Papst hat sehr genau die vielen Beterinnen und Beter vor Augen gehabt. Deshalb spricht er eine sehr verständliche Sprache. Mehrfach betont der Papst, dass der Rosenkranz eine Betrachtung des Lebens Jesu ist, sozusagen eine Kurzfassung des Evangeliums. Um Jesu gesamtes Leben besser betrachten zu können, führt Johannes Paul deshalb einen vierten Rosenkranz ein, die „lichtreichen“ Geheimnisse. Und er legt sehr großen Wert darauf, dass er betrachtend gebetet werden soll. Wie auch Paul VI. schon gesagt hat: „Ein Rosenkranz ohne Betrachtung ist wie ein Körper ohne Seele.“
Was heißt das konkret? P. Benno: Am Beginn eines jeden Gesätzchens sollte das Wort Gottes stehen. Auf die Schriftlesung folgt eine Zeit der Stille. Und der Papst betont das „Ehre sei dem Vater“ am Ende. Es sei wichtig, dieses hervorzuheben, wenn möglich soll es gesungen werden.