Unter dem provokanten Titel „Menschenzucht“ fanden vom 24. bis 26. Oktober die erstmals vom Grazer „Joanneum Research“ organisierten „Mariazeller Gespräche“ statt. Erstrangige Experten berieten dabei die ethischen Fragen im Zusammenhang mit der modernen Biomedizin. Bischof Egon Kapellari warnte vor einer „Verabsolutierung“ der Stellung des Menschen in der Welt. Das widerspreche der biblischen Schöpfungsordnung. Wer meine, so Kapellari, der neue Mensch werde sich durch Genmanipulation, durch Embryonenselektion oder durch biotechnische Konstruktion herstellen lassen, werde immer der Kritik von Christen begegnen. Der griechisch-orthodoxe Bischof Michael Staikos meinte, die Christen seien angesichts der wissenschaftlichen Entwicklungen herausgefordert, das Menschenbild vor Entpersonalisierung und Degradierung zu schützen. Dieses Argument griff auch der Philosoph Günther Pöltner auf, wenn er von einer Instrumentalisierung und Verzweckung des Menschen für fremde Interessen durch die Embryonenforschung sprach. In einer Schlusserklärung sprachen sich die Teilnehmer für einen umfassenden ethischen Diskurs, für ein Verbot der verbrauchenden Embryonenforschung in Österreich und für die Förderung von Alternativen aus.