Die Statue des heiligen Pankraz erstrahlt in neuem Glanz
Ausgabe: 2002/44, Heiliger, Statue, Pankraz
29.10.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Der hl. Pankraz gehört oftmals zu den vergessenen Gestalten in der Heiligenschar. Dabei ist er ein „multifunktionaler“, grenzüberschreitender Heiliger.
In den östlichen Kirchen gab es schon seit dem 4. Jahrhundert Allerheiligenfeste. Es galt bei der Fülle an Märtyrern keinen zu vergessen. In der westlichen Kirche weihte Bonifatius IV. im Jahr 609 das Pantheon in Rom – zuvor das Heiligtum der antiken Götterwelt – der Jungfrau Maria und allen Heiligen. Die Geschichte des hl. Pankraz ist verbunden mit der Zeit der römischen Christenverfolgung. Die Legende berichtet von einem jungen Mann vornehmer Herkunft. Pancratius soll mit seinem Onkel Dionysius im 3. Jahrhundert nach Christus nach Rom gezogen sein. Der 14-Jährige war beeindruckt von der Glaubenskraft der frühen römischen Christen und hat sich dort zum christlichen Glauben bekannt. Am 12. Mai wurde er unter Diokletian an der Via Aurelia enthauptet. Sein Grab findet sich unweit in einer nach ihm benannten Katakombe. Der Kult rund um den Märtyrer hat sich früh entwickelt. Pankraz zählt seit dem 14. Jahrhundert zu den 14 Nothelfern, jener Gruppe von Heiligen, die besonders in Not und Bedrängnis angerufen werden. Pankraz wird dabei besonders bei Ekzemen, bei Migräne und bei Krämpfen um Hilfe gebeten. Zudem gilt er schon seit dem 6. Jahrhundert als Patron des Eides und der Kinder, in Deutschland wegen seiner edlen Herkunft auch als Patron der Ritter und des Adels. Sein Todesdatum am 12. Mai reiht ihn unter den so genannten „Eisheiligen“ ein. Eine frühe Darstellung des in unseren Breitengraden oft vergessenen Heiligen wurde im Zusammenhang mit dem Gotikschwerpunkt des Landesmuseums neu entdeckt. Die kürzlich restaurierte Statue des heiligen Pankraz aus Wesenufer wird um 1500 datiert und gibt so Zeugnis von der regionalen Bedeutsamkeit des Märtyrers, der besonders in Oberösterreich und Bayern als Nothelfer populär war.