Es fällt aus dem Rahmen und doch würde der Bibel etwas fehlen, wenn es „rausgeflogen“ wäre: das Hohelied der Liebe. Das „Lied der Lieder“, wie sein Titel wörtlich übersetzt heißt, ist das einzige Buch der Heiligen Schrift, in dem das Wort Gott nicht vorkommt. Das führte zu Diskussionen. Wer sich aber auf den Text des Hohenliedes einlässt, spürt, dass Gott bei den Liebenden ist – auch wenn man seinen Namen nicht in den Mund nimmt. Der Theologe und Schriftsteller Josef Dirnbeck hat das biblische Hohelied übertragen: Wo es notwendig war behutsam, um die Sprachbilder der zarten Liebe nicht zu zerstören, gleichzeitig lässt er den Beschreibungen der erschreckend-machtvollen Liebe ihre überwältigende Kraft. Die Nachdichtung gestaltete er als Folge von Dialogen zwischen Geliebter und Geliebten. Diese „Grundform der Liebe“ gibt dem Text einen besonderen Reiz. Nachdem Dirnbecks „Lied der Lieder“ erstmals 1983 mit Bildern der Wenzel Bibel erschienen und ein zweites Mal mit Fotos aus Israel, ist nun die dritte Auflage mit Aquarellen von Andreas Felger illustriert.
Josef Dirnbeck / Andreas Felger, Lied der Liebe, Präsenz Verlag 2002, Gebunden 64 Seiten, E 17,–