Die Grenze zwischen Tod und Leben wird aufgehoben. Allerheiligen und Allerseelen stehen im Zeichen der Auferstehung.
Das Gedächtnis an die Märtyrer hatte schon in der frühen Kirche seine besondere Bedeutung. In der ostkirchlichen Tradition wurde der „Sonntag aller Heiligen“ nach dem Pfingstfest gefeiert. In der ostsyrischen Liturgie wurde ein Allerheiligenfest nach Ostern gefeiert. Mit gutem Grund: Verdeutlicht doch das Fest Allerheiligen, was vom Leiden, Tod und der Auferstehung Christi her den Menschen als Lebensperspektive offen steht. Mitte des 8. Jh.s verbreitete sich von Irland und England her das Allerheiligenfest am 1. November. Im 9. Jh. setzte es sich auf dem europäischen Festland durch.
Stand also ursprünglich die zeitliche Nähe zum Osterfest im Vordergrund, so rückte nun Allerheiligen zum Gedenktag aller verstorbenen Gläubigen in den November. In den Messtexten zu Allerseelen geht es jedoch ebenso um den großen Ostergedanken: Die Auferstehung Jesu Christi gibt Grund zur berechtigten Hoffnung, dass sich durch den Tod hindurch das Leben vollenden wird. Christus ist nicht nur selbst auferstanden, er bedeutet Auferstehung und Leben auch für alle, die an ihn glauben. So sind Allerheiligen und Allerseelen nicht Trauerfeste. Gerade an den Gräbern wird die Kraft des Auferstandenen spürbar. Wo das Leben am meisten in Frage gestellt war, dort setzt es sich durch.Dass gerade zu Allerheiligen so viele Menschen die Kirchen und die Friedhöfe aufsuchen, zeugt von diesem Gefühl, das da ist: Trotz aller Sprachlosigkeit, aller Unvollkommenheiten, hier ist von Entscheidendem die Rede.
Wenn sich Familien und Verwandtschaften um die Gräber versammeln, so kann ihnen dort deutlich werden: Das Gedächtnis an die Toten beginnt schon zu Lebzeiten. Achtung und Wertschätzung gilt es schon zu Lebzeiten zu pflegen. Die Lebenden und die Toten gehören zur selben Gemeinschaft. Heilige und Sünder sind zum gemeinsamen Fest versammelt. Die Zeiten verschwimmen. Die Märtyrer der Kirche sprechen jenen Mut zu, die sich um Lebensentscheidungen herumdrücken. Ein wenig wird sichtbar an diesen Tagen, was sich Christen unter dem Himmel vorstellen dürfen, in dem die Erlösten versammelt sind. Es heißt, das wird ein Tag der Freude sein.