Das Festival „Steirischer Herbst“ als Schnittstelle der Künste
Ausgabe: 2002/44, Künste, Herbst, Festival, Angst
30.10.2002
Der „Steirische Herbst“ widmet sich heuer dem Thema „Fremdkörper“. Die Fremde trägt viele Gesichter und erzeugt oft Angst. Das Gefühl der Angst führt nicht selten zu Ablehnung und Ausgrenzung.
Den Erscheinungsformen der Fremde geht dieses Festival nach. Gerade Künstler/innen erleben das Spannungsfeld „Angst und Ablehnung“ oft doppelt. Neben der eigenen Erfahrung mit dem Fremden werden sie nicht selten mit Ablehnung konfrontiert, die ihre Arbeiten hervorgerufen haben. Der „Steirische Herbst“ trägt dieser Beobachtung Rechnung. Als Festival der Neuen Künste erdacht, entwickelt sich der „Steirische Herbst“ heuer zum Festival der Utopien. In zahlreichen kleinen und großen Ausstellungen, Aktionen und Gesprächsforen spiegelt er das aktuelle Kunstschaffen wider. Die Erscheinungsformen der Fremde zeigen die eine Seite des Konzepts. Der „Steirische Herbst“ sieht sich selbst aber auch als potenzieller Fremdkörper und konfrontiert Graz als europäische Kulturhauptstadt 2003 mit der eigenen Kulturpolitik. Eines der aufregendsten Einzelprojekte ist die von der irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid und ihrem Büropartner Patrick Schumacher kuratierte Ausstellung „Latente Utopien – Experimente der Gegenwartsarchitektur“. In einer spannenden Zusammenschau über gegenwärtige Trends in der Architektur weisen die präsentierten Architekt/innen auf den visionären und mitunter auch utopischen Charakter ihres Arbeitsfeldes hin. Architektur geschieht hier im Zusammenspiel mit Kunst, Design und Technologie.
Schwerpunkt: Balkan
Ein weiterer Schwerpunkt, der in Graz bereits Tradition hat, ist der Balkan als intellektueller und künstlerischer Raum. So zeigt etwa der für seine Positionen in der Widerstandskunst bekannte Verein „rotor“ Arbeiten aus dem Projekt „Balkan-Konsulat“. Seine Vielfalt präsentiert der „Steirische Herbst“ an den Schnittstellen der Künste. So feierte dieser Tage Elfriede Jelineks Stück „Der Tod und das Mädchen I–III“ seine Premiere, während nebenan der britische Künstler Mark Wallinger die Minoriten-Galerien mit Visionen vom Himmelreich bespielte. Die Ausstellung mit dem Titel „Seeing Things“ präsentiert sich als subtil-ironisches Spiel mit Inhalten aus dem christlichen Bildgedächtnis.