Steyr-Ennsleite: Zeitgenössische Bilder und Objekte in der Kirche
Ausgabe: 2002/45
05.11.2002
- Josef Wallner
Die Pfarre Steyr-Ennsleite hat ihre Kirche geöffnet: für Arbeiten des Tiroler Malers Martin Schwarz-Lahnbach. Die Ausstellung trägt den Titel „Locus iste“.
Die Kirche St. Josef im Steyrer Stadtteil Ennsleiten gehört zu den architekonisch vielbeachteten und diskutierten Kirchenbauten der sechziger Jahre. Asphalt als Bodenbelag und grob geschalter Sichtbeton sind für ein Gotteshaus ungewöhnliche Materialen. Nun verstärken die Bilder von Martin Schwarz-Lahnbach diesen Akzent: Er malt mit Bitumen, einem Urprodukt des Zweistromlandes, gefährlich und nützlich zugleich. So wurden mit Bitumen die babylonischen Stufentempel gebaut, erklärt Schwarz-Lahnbach. Vor allem aber fasziniert ihn die natürliche Schwärze des Materials: „Es ist tief und geheimnisvoll. Es ist das schwärzeste Schwarz“. Nicht nur das leuchtende Gold habe im Bereich des Religiösen seinen Platz, auch das Schwarz des Bitumen. Der Tiroler Maler versteht seine Arbeiten nicht als Andachtsbilder und seinen Objekte nicht als Seitenaltäre, aber sie vermitteln den Kirchenbesuchern ein neues Raumgefühl und schaffen Unruhe. „Meine Bilder sind ein wenig wie ein Kreuzweg“. Ein Zyklus fünf großformatiger Bilder gab der gesamten Ausstellung den Titel „Locus iste“. Er nimmt auf eine Vision des biblischen Jakob Bezug, der eine Leiter sah, die Himmel und Erde verband und auf der Engel auf- und niederstiegen. Als Jakob erwachte, sagte er: „An diesem Ort (locus iste) ist der Herr und ich wusste es nicht“ (Gen 28,10-16). Pastoralassistent Mag. Burghard Ebenhöh betonte bei der Eröffnung der Ausstellung, dass Kunst in der Kirche nicht verzweckt werden solle: „Doch so wie wir vor Bildern stehen – das ist auch die Haltung, in der wir vor Gott stehen. Die Kunst wird zur Schule des Sehens, zum Locus iste, wo ich frage, staune, offen bin umd mich dem ganz anderen aussetze“.
Die Bilder und Objekte in der Kirche Steyr Ennsleite (Arbeiterstraße 15, Tel. 07252/522 75) sind täglich bis 30. November 2002 zu sehen. (Die Kirche wird bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen).