Irres Wetter über Berlin. Dazwischen ein paar postmoderne Existenzen – in kleinen Geschichten fragmentarisch beleuchtet. Nirgendwo sonst treffen so viele Gegensätze aufeinander wie in dieser Stadt, leben Menschen wie aus verschiedensten „Zeitaltern“ nebeneinander: da die linke Alt-68er-WG, dort die Glaspaläste des 21. Jahrhunderts. Wo so viel Unterschied sichtbar wird, stellt sich bald Sprachlosigkeit ein, doch die Menschen reden weiter. Vom richtigen Label, vom richtigen Jargon. Ein Buch, geschrieben aus dem Fundus der Erfahrungen einer ganzen Generation. Die Rede ist von den Kindern der 80er, der „Generation Golf“, der Fun-Gesellschaft dieser Tage. Ein lesenswertes Buch, voll von „Sprachmüll“, eben Poetry Slam, aber auch mit einer Ahnung davon, wie doch noch alles gut werden kann. Verena Konrad
Katharina Röggla, Irres Wetter. Residenz Verlag. Salzburg, Wien 2000. e 20,–.
- Im Gegenlicht
Im Gegenlicht zu stehen bedeutet Position zu beziehen, seine Weltsicht offen zu legen. Josef Kettl, der besonders für seine Gedichte in der Innviertler Mundart bekannt ist, wagt sich mit „GegenLicht“ auf gänzlich neues Terrain. Die Sprache ist präziser geworden, die Themen scheinen plötzlich ernster zu sein. Vielleicht mag das Augenzwinkern aus den vorangegangenen Werken ein wenig fehlen. Dafür ist er experimentierfreudiger geworden. Lyrik ist eben ein weites Feld.
Josef Kettl, GegenLicht. Lyrik. Verlag Moserbauer. Ried 1999. e 12,90.