In vielen Gegenden wird jedes Jahr am 11. November ein großes Fest gefeiert: Ein Reiter in einem weiten Mantel zieht auf einem Pferd durch die Straßen, ihm folgen viele Kinder mit Laternen, sie singen Martinslieder. Dass Martin seinen Mantel mit dem Bettler geteilt hat, ist nur eine der Geschichten, die über ihn erzählt werden. Martin war römischer Soldat, bis er Hilarius kennen gelernt hat. Dieser gab ihm die Bibel zu lesen und Martin wurde selbst Christ. Eines Tages beschloss er, sich in der Einsamkeit eine Hütte zu bauen, um ungestört an Gott denken zu können. Andere Männer kamen dazu und sie kümmerten sich um Arme und Kranke. Martin war der Beliebteste. Es geschah, dass in der nahen Stadt der Bischof starb. Das Volk wollte Martin zum neuen Bischof. Junge Läufer machten sich auf den Weg, um ihn zu holen. Doch kein Martin war zu finden. Martin hatte die Rufe der Leute vernommen. Ihn ergriff große Furcht. Er, Martin, sollte Bischof werden? Er suchte Zuflucht in einem Stall. Dort aber war eine Schar Gänse eingesperrt. Als sie ihn sahen, erhoben sie ein großes Geschrei, weil sie auf Futter hofften. Martin hatte ihnen schon oft den Futtertrog gefüllt. Das hörten die jungen Männer draußen. Sie liefen herbei, nahmen ihn voll Freude auf ihre Schultern und trugen ihn in die Stadt. So wurde Martin Bischof von Poitiers und Tours. Martin lebte noch lange und wirkte Gutes.
Nach einer Geschichte von Gertrud Fussenegger aus dem Buch: Meine schönsten Heiligengeschichten, herausgegeben von Gottfried Hierzenberger, Tyrolia-Verlag, e 19,90.