An dem Tag, als in Deutschland die Synagogen brannten, unterstrich Bonhoeffer in seiner Bibel den Psalm 74: „Sie verbrennen alle Häuser Gottes im Lande“, daneben schrieb er: „9. 11. 38“.
In der Reichskristallnacht (9. November 1938) erhielten alle Staatspolizeiämter die geheime Anweisung „Aktionen gegen Juden, die in ganz Deutschland stattfinden werden, nicht zu behindern ... die Festnahme von 20.000–30.000 Juden ist vorzubereiten.“ Der Widerstand der Bevölkerung und der Kirche(n) gegen die Menschen verachtenden Aktionen der SS war gering. Menschen wie Franz Jägerstätter und Dietrich Bonhoeffer leisteten auf Grund ihres christlichen Glaubens Widerstand.
Wofür sich der Einsatz lohnt
In Bozen hielt kürzlich der evangelische Altbischof Albrecht Schönherr einen Vortrag über Dietrich Bonhoeffer. Die Teilnehmer/innen der 3. ökumenischen Bonhoeffer-Studienreise nuzten die Gelegenheit, diesen Zeitzeugen von Bonhoeffer kennen zu lernen. Bonhoeffer leitete seit 1935 ein Predigerseminar für junge evangelische Theologen. Schönherr war damals einer seiner Schüler gewesen. Schon 1934 hatte sich Bonhoeffer gegen die politische Einflussnahme des NSRegimes in den Kirchen gewehrt: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Theologen mit einer Irrlehre bepflastert werden“, so Bonhoeffer. Schönherr über seinen damaligen Lehrer Bonhoeffer: „Mit unbestechlicher Klarheit macht er deutlich, dass niemand anderer als Jesus Christus die Kirche regiert.“ Bonhoeffer lebte, was er sagte: „Es gibt Dinge, für die es sich lohnt, sich einzusetzen. Mir scheint Frieden, Gerechtigkeit und Christus ist sowas.“ Seiner Überzeugung blieb er treu bis zum Tod. Das SS-Standgericht verurteilte Dietrich Bonhoeffer wegen politischen Hochverrats zum Tod am Galgen. Am 9. April 1945 wurde Bonhoeffer hingerichtet.
Zitat
„Wir sind stumme Zeugen böser Taten gewesen, ... wir haben die Künste der Verstellung und der mehrdeutigen Rede gelernt, wir sind durch Erfahrung misstrauisch gegen die Menschen geworden und mussten ihnen die Wahrheit und das freie Wort oft schuldig bleiben, wir sind durch unerträgliche Konflikte mürbe oder vielleicht sogar zynisch geworden – sind wir noch brauchbar? Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter, nicht raffinierte Taktiker, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen werden wir brauchen. Wird unsere innere Widerstandskraft gegen das uns Aufgezwungene stark genug und unsere Aufrichtigkeit gegen uns selbst schonungslos genug geblieben sein, dass wir den Weg zur Schlichtheit und Geradheit wiederfinden?“
Aus: Dietrich Bonhoeffer, Nach zehn Jahren, Ende 1942.