Gertraud Knoll, bis Dienstag vergangener Woche Superintendentin der evangelischen Kirche in Burgenland, geht für die SPÖ in den Wahlkampf. Sie soll sich als künftige Staatssekretärin besonders um armutsgefährdete und benachteiligte Gruppen kümmern, kündigte SP-Chef Alfred Gusenbauer an.
Anders als die weiteren SP-Quereinsteiger Broukal und Petritsch ist Knoll mit keinem Nationalratsmandat abgesichert. Ihr geistliches Amt hat sie mit Bekanntgabe ihres parteipolitischen Engagements zurückgelegt. Bei ihrer Kandidatur zum Amt des Bundespräsidenten 1998 war Knoll als Superintendentin nur karenziert. Bei der Übernahme parteipolitischer Agenden sieht die evangelische Kirchenordnung für geistliche Amtsträger und Lektoren die Amtsniederlegung vor. Eine gewisse Rolle für den Schritt von Gertraud Knoll könnte gespielt haben, dass sie als erste auf Zeit (12 Jahre) gewählte Superintendentin in drei Jahren ohnedies vor einer beruflichen Neuorientierung gestanden wäre.
Der evangelische Bischof Herwig Sturm bedauert das Ausscheiden von Gertraud Knoll, weil sie in die evangelische Kirche viele Impulse eingebracht hat und eine couragierte Zeugin für eine Kirche der Schwachen und Stimmlosen war. Der Oberösterreichische Superintendent Hansjörg Eichmeyer hat Respekt für den Schritt von Knoll. „Wir können nicht in einer eigenen Denkschrift Christen zum gesellschaftlichen Enagement und zur Mitarbeit in politischen Parteien aufrufen, und ihr dann Vorwürfe machen, wenn sie meint, dass sie auf diesem Weg ihre evangelischen Ideale besser verwirklichen kann – auch wenn das nicht mein Weg wäre.“