Der Verkehr nimmt ständig zu. Die EU-Osterweiterung wird für einen weiteren Verkehrs-schub in unserem Land sorgen.
Wir haben vor zwei Nummern in der Kirchenzeitung über Protestaktionen wegen des zunehmenden Transitverkehrs in Tirol und Salzburg berichtet. Bischof Kothgasser stellte sich hinter die Demonstranten.
Bewegung im Land
Und bei uns in Oberösterreich? – auf der Innkreis-Autobahn nahm der LKW-Verkehr österreichweit am stärksten zu. Durchschnittlich fahren hier täglich 6.500 LKW. Verkehrsreferent Landeshauptmannstellvertreter Dipl. Ing. Erich Haider, nennt weitere Zahlen: In Haid-Ansfelden wurden im Jahr 2000 täglich 12.600 LKW gezählt, in Kufstein waren es 7.059, am Walserberg 6.779. Den Grenzübergang Suben passierten 6.519 LKW, den Brenner dagegen 4.870. In Linz waren es täglich 6.066 LKW. Die Verkehrspolitik ist gefordert. Einige Projekte sind dabei ziemlich außer Streit: Ausbau von Summerauer-Bahn und Pyhrnbahn, wie es die Sozialpartner fordern. Das würde auf österreichischer Seite die Fertigstellung der schnellen Schienenverbindung vom Norden Deutschlands bis zum Adriahafen Koper bedeuten.
Linz untertunneln
Heuer im Sommer kam die Ankündigung einer Linzer Tunnelvariante samt vierter Linzer Donaubrücke zur Entlastung der Anrainer in Linz und der Pendler nach Linz. Damit kam emotionale Bewegung in die gestaute Ruhe. Die Sozialpartner haben sich Anfang Oktober für rasche Verkehrslösungen stark gemacht. Raiffeisen-Landesbank Generaldirektor Dr. Ludwig Scharinger, präsentierte dazu Modelle des PPP (Private Public Partnership) zur beschleunigten und damit günstigen Finanzierung.
Hundert große Projekte
Im Juli 2002 diskutierte der Landtag auf Antrag der GRÜNEN in einer aktuellen Stunde, was gegen die drastische Zunahme des LKW-Verkehrs getan werden kann. Im Landesbudget 2002 sind etwa 90 Millionen Euro für den Verkehr vorgesehen, dazu kommen 50 Millionen aus Mitteln des Verkehrsinfrastrukturfonds. Etwa 100 große Straßen-Projekte sind in Bearbeitung oder Planung, erläuterte Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl.
Was ist eine gerechte Maut?
Rudi Anschober von den GRÜNEN meinte: „Was wir brauchen, ist eine generelle Verlagerung von der Straße auf die Schiene für den überregionalen, zunehmenden Güterverkehr. Vor allem auch gerechte Preise für den LKW-Verkehr, damit unsinnige Transporte und ‘Just-in-time-Produktionen’ (siehe Kasten) zurückgedrängt werden.“ Auch Landeshauptmann-Stellvertreter Dipl. Ing. Erich Haider kritisierte unnötige Fahrten. „Jeder Bürger ist Teil des Mobilitätsproblems, auch wir, die wir da sitzen“, meinte ÖVP-Klubobmann Dr. Josef Stockinger.Bei den gerechten Preisen aber scheiden sich die Geister. Was ist gerecht? Fiskalische Methoden, meint etwa Bundeswirtschaftskammer-Präsident Dr. Christoph Leitl, seien ausgereizt. Die KFZ-Steuer ist in Österreich die höchste in Europa. „Auch die Höhe der fahrleistungsunabhängigen Maut kann nicht nach den Finanzierungserfordernissen der Straße angesetzt werden, will man nicht die österreichische Wirtschaft in ihrer Wettbewerbsfähigkeit vom europäischen Markt abkoppeln.“ Die ÖVP, das bekräftigte Klubobmann Dr. Josef Stockinger gegenüber der Kirchenzeitung, ist für generell 22 Cent LKW-Maut (Road Pricing). Die SPÖ redet von 30 Cent.
Fluss, Schiene, Straße
Es ist vieles im Fluss (Donau), auf den Schienen und auf der Straße. Dennoch liegt nicht alles Verkehrsglück im Bauen. Mehr und bessere Straßen ziehen nur zusätzlich Verkehr an, kritisierte etwa die Linzer Bürgerinitiative Westtangente. Sollte nicht mehr Geld dezentral eingesetzt werden, damit Regionen Aufschwung nehmen und so weniger Menschen ins Zentrum Linz pendeln müssen? Da geschehe ohnedies einiges, hält dem Dr. Stockinger entgegen. Linz brauche aber eine West- und mittelfristig eine Ost-Umfahrung, um den Verkehr, der nicht nach Linz muss, umzuleiten. Nächstes Jahr werde daher mit Baumaßnahmen am Bindermichl begonnen. „Danach erfolgt die Errichtung des sogenannten West-Ringes“, sagt Stockinger.
„Just-in-time“-Produktion
Lexikon
Güter werden auf einen Terminpunkt hin hergestellt, befördert und geliefert. Damit spart der Hersteller Lagerflächen und somit auch Lagerkosten. Die Straße wird im schlechten Fall zur befahrenen Lagerhalle. Just-in-time-Produktion sorgt für mehr Güterbewegungen auf der Straße, ausgelagerte Funktionen verursachen zusätzliche Transporte, es kommt zu mehr Ein- und Ausladevorgängen ...