Am 24. November wird in Österreich gewählt. Auch Heilige haben einiges mitzureden. Sie stellen Kernfragen an die Politik.
Er heilte Krüppel und Hilfsbedürftige. Vor allem aber suchte er Gefangene auf. Die Legende erzählt, er hätte beim König gerade für Letztere oft die Freilassung erwirkt. Sein Name: Leonhard. Sein Gedenktag: 6. November. Tragt Sorge um Menschen, die in irgendeiner Weise in Ketten liegen. Das ist das Programm, für das Leonhard steht. Für Menschen also, die sich nicht frei bewegen können. Für Asylanten beispielsweise. Für Behinderte. Trotz seiner einfachen Lebensweise – Leonhard lebte als Einsiedler – hatte er beste Verbindungen zum Königshaus. Diesen Einfluss nutzte er zugunsten derer, die nichts hatten. Zum Vieh-Patron ist er übrigens durch einen Irrtum geworden: Die Ketten der Gefangenen, mit denen er oft dargestellt wurde, hat das Volk als Ketten für das Vieh missdeutet.
Martin ist der zweite Spitzenkandidat im Heiligenkalender dieser Tage: Gedenktag: 11. November. Er wirbt mit einem starken sozialen Programm. Der Mantel, den er mit dem Bettler vor den Toren von Amiens geteilt hat, ist weltbekannt geworden. Martin war damals Soldat, musste aber den Dienst in der Armee quittieren, weil sich das mit dem Christsein nicht so recht in Einklang bringen ließ. Das Volk hat den bescheidenen zurückgezogenen Mann schließlich zum Bischof gemacht. Kein einfacher Bischof soll er gewesen sein. Die Pfarrer hatten ihre Probleme mit dem Mann, der keine Standesdünkel ertrug und für den der Arme alles war. Das Wahlprogramm des Martin lautet also: Nehmt euch der Obdachlosen und der Bettler an. Überseht die Armen nicht.
Am 15. November folgt der nächste Spitzenkandidat unter den Heiligen: Leopold III. von Österreich. Unter den genannten Kandidaten ist er wohl der politischste. Seine Politik unterschied sich allerdings von den politischen Methoden der damaligen Epoche um 1100. Er suchte seinen Erfolg nicht im Krieg, suchte vielmehr friedliche Wege, um Stabilität zu sichern. Mit einer klugen Heiratspolitik erweiterte er seine Markgrafschaft Österreich. Seine Botschaft also ist die Friedenspolitik: Sucht nach neuen Wegen, um Konflikte friedlich zu lösen. So fremd einem damalige Heiratspolitik heute auch sein mag, so hat sie doch vielen Menschen das Leben gerettet.