Am Sterbebett eines sehr frommen Mannes erlebte ich, was es heißen kann, mit „seiner Lampe“ zu warten und „nach dem Kommen Gottes“ Ausschau zu halten. Seine einzige, große Sorge war, ob in all den Krügen, die er mitgebracht hatte, wohl das Richtige wäre, um Gott damit zu gefallen. Anfangs war er noch sehr sicher; er erzählte mir von all dem, was er in seinem Leben gemeistert hatte: er war ein bekannter Lehrer und bewunderter Prediger gewesen, ein Mann, dem sein soziales Engagement immer sehr am Herzen lag. Und er bekam auch viel Besuch von Menschen, die ihm aufrichtig dankbar waren.
Aber die Angst des Mannes, nun vor „Ihn“ hintreten zu müssen, nahm von Tag zu Tag zu: „Wird es genug sein? Wird Er ein barmherziger Vater sein? Wird Er mich aufnehmen?“ Das Öl in der Lampe schien auszugehen . . . Nun kamen die dunklen Tage und Nächte; das große Erkennen, dass sein Ruhm, seine Klugheit, seine Beliebtheit, seine sozialen Leistungen keinen Trost spendeten in seiner Not. Und er begann sich anzuklagen und die anderen, und das Leben und Gott: all seine Bemühungen und Anstrengungen waren umsonst; gerade er wollte es doch richtig machen und fühlte sich nun so betrogen.
Dann kam die Trauer: mit allen Sinnen spürte er, was er wirklich versäumt hatte in seinem Leben. Er sah, was für ein harter Mann er war, trotz aller barmherziger Taten; er sah, wie wenig er von den Menschen wusste, die ihm am nächsten waren; er war erschüttert über seine klugen und sicheren Worte über die Liebe Gottes und seine eigene Lieblosigkeit und über seine Angst, ob es soviel Liebe überhaupt geben konnte, die ihm all dies je verzeihen könne. Und es war, als hätte er einen neuen Krug Öl gefunden. . . . und machte seine Lampe zurecht: Obwohl er kaum noch sprechen konnte, spürte ich, wie er immer ruhiger, klarer, wacher und „hell-höriger“ wurde: sein Loslassen hinein in diese völlig unverdiente Liebe ließen ein Licht aufstrahlen, in dessen Friede und Versöhnung viele sich noch wärmen konnten, die mit ihm warteten, am allermeisten er selber! So gehörte er letztendlich doch noch zu den „klugen, jungfräulichen Menschen“, deren Licht brannte, als sie mit dem „Bräutigam“ in den Hochzeitssaal gingen.
Jetzt erst habe ich jenes Ärgernis im Evangelium verstanden, wieso das Öl nicht gereicht hätte, wenn die Jungfrauen es geteilt hätten: Dieses Öl lässt sich nicht teilen, eintauschen, erarbeiten oder kaufen: es ist geschenkt und unverdient – es ist das Licht, das nur Gott selber in uns zum Leuchten bringt.
Claudia Hasibeder, verheiratet und Mutter von drei Kindern, ist Pastoralassistentin und theologische Assistentin der kfb der Diözese Linz.