Der Karikaturist Gerhard Haderer hätte noch viel für seine teils geschmacklosen, teils banalen Jesus-Zeichnungen lernen können, wenn er vor Veröffentlichung seines Buches „Das Leben des Jesus“ zu Dirnbecks „Jesusfälscher auf dem Prüfstand“ gegriffen hätte. Penibel listet der Theologe und Schriftsteller Dirnbeck auf, wozu Jesus im Laufe des 20. Jahrhunderts herhalten musste. Ob Jesus und Magdalena sich ohne Trauschein lieben oder die Pest Jesus zum Witwer macht – keine These über Jesus ist so abstrus, dass sie nicht Anhänger findet.
Je unseriöser und gehässiger gegen die Institution Kirche, desto erfolgreicher. Der Autor nimmt die Leser mit zu einem – mit einem kräftigen Schuss Humor gewürzten – Streifzug durch Kino, Kunst und Literatur zum „maßgeschneiderten“ Jesus: zum Vegetarier, Mangementberater und Polit-Guru. Gerade so, wie er für die eigenen Ideen nützlich ist.
Dirnbeck scheut sich auch nicht die innerkirchlichen Jesus-Fäscher anzusprechen: Er geht mit dem Buch über die angeblich authentische Kreuzigungsinschrift Jesu ins Gericht und setzt sich mit dem Kult um das Turiner Grabtuch auseinander. Verehrung als Reliquie ja, wer mit einem Stück Stoff aber den Glauben beweisen möchte, liegt falsch. Dem Jesus-Papyrus von Qumran kann Dirnbeck ebenfalls nichts abgewinnen. Seine Folgerungen daraus, z. B. dem OÖ Bibelwissenschafter Karl Jaros Fundamentalismus vorzuwerfen, sind überzogen. Dazu kann man aber Dirnbeck selbst im Rahmen seiner Vortragsreise durch OÖ befragen.
Josef Dirnbeck, Falsches Zeugnis wider Jesus. Jeusfälscher auf dem Prüfstand, Otto Müller Verlag 2002, 272 Seiten, Euro 18,–.