Als Leiter von Glaubenseminaren weiß Pfarrer Franz Haidinger, dass vielen Christen das Beten schwer fällt: Seine Gebetssammlung wurde inzwischen zu einem „Bestseller“.
„Ich bin von Gott geliebt, ich bin von ihm gehalten.“ – Diese „Wahrheiten Gottes“, so Pfarrer Haidinger, sind kein Besitz. Damit der Glaube wirklich Halt und Hilfe im Leben sein kann, müssen diese Zusagen Gottes lebendig gehalten werden – durch das Gebet. Doch das macht in unserer hektischen Zeit schon Mühe. Haidinger: „Wir brauchen die Stille und das Gebet, damit wir die Erfahrung der Nähe Gottes in unseren alltäglichen Erlebnissen entziffern können. So begeben wir uns in den heilenden und stärkenden Einflussbereich Gottes.“ Wie und was man beten soll, das macht Christ/innen oft ratlos. Pfarrer Haidinger hat daher eine einfache Handreichung zusammengestellt. Er sammelte von geistlichen Autoren wie Jörg Zink, Peter Spangenberg oder Anton Rotzetter Texte, die modern, aber nicht banal sind. Für 31 Tage hindurch ein Impuls für morgens und abends, zumeist mit einem kurzen Hinweis für das Gebet eingeleitet. Zwei Jahre nach Erscheinen der spiralgehefteten Broschüre kann der Pfarrer ein kleines Jubiläum feiern: Das Gebetbuch hat sich bereits 5.000 mal verkauft. Für ihn ein Zeichen, dass immer mehr Menschen die befreiende Wirkung des Gebets erahnen: „Es kommt ein Friede über das Leben – über alle Phasen der Lebensgeschichte.“ Die geistlichen Texte helfen zum regelmäßigen Gebet. Zum konkreten Gebrauch des Buches schlägt der Pfarrer vor, wie mit einer Wünschelrute über die Texte zu gehen. Bei den Sätzen, wo das Herz ausschlägt, soll man verweilen.
Das Gebet ruft in Erinnerung, was das Leben zusammenhält. Bild: Franz M. Glaser
MEDITATION
Mach es recht mit mir
Großer, guter Gott. Du bist mir hier nahe. Du schaust jetzt voll Liebe und Wohlwollen auf mich und mein Leben. Dir verdanke ich es, dass ich immer noch lebe.
Auf geheimnisvolle Weise gingst du mit mir all die Jahre. In der Rückschau sehe ich, dass du mich gehalten hast wie in zwei guten Händen.
Ich bin nicht ungläubig. Ich weiß, dass du lebst. Aber oft lebe ich so, als ob es dich nicht gäbe ...
Herr, ich lege jetzt vor dich hin all meinen guten Willen, all meine Versuche dir zu glauben. Ich lege voll Vertrauen vor dich hin mein ganzes Leben, meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft. Ich gebe mich in deine Hände.
Ich möchte nicht ohne dich leben. Mach es recht mit mir und meinem Leben.
Das bitte ich dich auch für all meine Lieben und für jeden Menschen dieser Erde.
Pfarrer Franz Haidinger, Traunkirchen
Touristen, die zumeist wegen ihrer kunsthistorisch bedeutsamen Fischerkanzel nach Traunkirchen kommen, finden in der Kirche diesen Gebetstext vor. Für viele ist es ein Anstoß und einen Hilfe, ihrem Glauben wieder einmal eine Sprache zu geben. (Das Gebet findet sich auch im Gebetsheft „Bei ihm sein“.)