Bildung ist heute groß geschrieben. Wer in jungen Jahren gut lesen lernt, wird sich mit Bildung immer leichter tun.
Am Schoß der Großmutter wird der Grundstein gelegt, ob aus dem Kleinkind ein Jugendlicher oder Erwachsener wird, der in der modernen Welt gut bestehen kann. Dann nämlich, wenn dem Dreijährigen vorgelesen wird und das Kind diese Stunden schön empfindet. Davon ist Dr. Günter Haider, der Leiter der Aufsehen erregenden PISA-Studie in Österreich überzeugt.
Nur wer schnell und routiniert lesen kann, wird sich in der Welt des Internets gut zurechtfinden. Gerade Kleinkindern Lesen schmackhaft zu machen, ist daher besonders wichtig. Wer in der dritten Volksschulklasse noch nicht fließend liest, wird es schwerer haben. Die weltweit durchgeführte PISA-Studie – nur Afrika ist nicht beteiligt – untersucht im Drei-Jahres-Abstand, wie gut die Schulen auf die Zukunft vorbereiten. Im Jahr 2000 wurde die Leseleistung der 15Jährigen erhoben. Österreich landete im guten Mittelfeld.
Ein Wert, mit dem Dr. Haider nicht zufrieden ist. In kaum einem Land sitzen die Schüler so viel in der Schule wie in Österreich – und in kaum einem Land wird so viel Geld für die Schulen ausgegeben. Kernpunkt der Kritik Dr. Haiders: Leseschwächen werden in den Schulen oft zu wenig erkannt – oder es wird nichts getan. Die Mädchen und Buben werden einfach durch die Schulzeit „durchgeschleppt“. Mit gezielter Förderung wäre jedoch noch viel möglich. Voraussetzung: Die Lehrer müssten besser geschult werden, um Schwächen diagnostizieren zu können. Die Kinder bräuchten viel mehr individuelle Betreuung – wie das etwa in Finnland der Fall ist. Obwohl dort die Kinder um ein Viertel weniger in der Schule sitzen, schneiden sie bei den Leseleistungen viel besser ab. Die Ausbildung sollte mehr darauf hinzielen, was man im Leben wirklich können muss. Lesen, Schreiben und Rechnen sind dabei die Kernfähigkeiten. „Der Zusammenhang zwischen Lesen und anderem Wissen ist enorm“, betont Dr. Haider.
Die besseren Leser sind auch die besseren Rechner. Sie haben in vielen Bereichen die Nase vorn. Umso dringender ist es, schlechten Lesern zu helfen, ihre Leseleistung zu verbessern, statt sie einfach mitzuschleppen.
Zur Sache
Lesen fördern
Ein Schüler in Österreich absolviert während der Pflichtschulzeit 9.000 Schulstunden. Ein Gymnasiast bis zur Matura 14.000 Stunden. Doch nicht nur die Schule ist verantwortlich dafür, wie gut jemand lesen kann.
– Vorlesen im Kleinkindalter ist die beste Grundschule. Kinder ahmen nach. – Leseschwächen nicht übergehen, sondern gezielt mit Lehrkräften oder bei Elternabenden zur Sprache bringen. Hilfe einfordern! – Öffentliche Bibliotheken – in Tirol allein gibt es 96 Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft – bieten die Möglichkeit zum kostengünstigen Lesen. Geschulte Mitarbeitern/innen beraten, wenn es gilt, das Passende zu finden – auch für „Anfänger“.