Die Caritas kämpft unter anderem auch gegen dieses Vorurteil an
Ausgabe: 2002/46, Schuld, Arm, Caritas, Vorurteil
12.11.2002
- Ernst Gansinger
„Dem Großteil der Österreicher und Österreicherinnen geht es Gott sei Dank sehr gut. Doch es gibt auch eine nachdenklich stimmende Nachricht!“
Mit diesen Sätzen leitete Caritas-Präsident Franz Küberl sein Statement zum Auftakt der Inlandshilfskampagne ein. Denn es gibt Menschen, die jeden Cent mehrmals umdrehen müssen. 900.000 Menschen in unserem Land sind armutsgefährdet, ein gutes Drittel von ihnen akut! Menschen sind krank und können nicht arbeiten. Andere finden keinen Arbeitsplatz, weil es an solchen mangelt. Zu viele werden wegen ihrer Depression oder verminderter Leistungsfähigkeit gekündigt. Hunderte haben für sich und ihr Kind kein Dach über dem Kopf. Viele haben durch das Hochwasser im Sommer ihr Lebenswerk verloren ... Die Elisabethsammlung (17. November 2002) will helfen.
Möglichst wenig Menschen sollen in Armutszonen kommen und möglichst kurz dort bleiben. „Wenn Menschen Arbeit, ein soziales Netz, Unterstützung und Beratung haben, gibt es Chancen“, ist Küberl überzeugt.Doch die Liste der Vorurteile ist lang: „In Österreich gibt es keine armen Menschen, niemand hier muss arm sein.“ „Das kann sich nur um ein paar Menschen handeln. Ich kenne jedenfalls in meinem Umfeld keinen, der sich das Heizmaterial nicht leisten könnte.“ „Wer wirklich Arbeit will und sucht, findet eine.“ „Wer arm ist, ist an seiner Lage selber schuld.“...
Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Die Caritas Österreich zählte im vergangenen Jahr in ihren 33 Obdachlosenhäusern über 80.000 Nächtigungen. Fast die Hälfte der in den Sozialberatungsstellen vorsprechenden Menschen ist alleinstehend. Viele stehen nach dem Zerbrechen ihrer Familie ohne Halt und auch ohne Job da.