LebensZeiten – Kirchenjahr: Das spannende Leben der heiligen Elisabeth
Ausgabe: 2002/46, Elisabeth von Thüringen,
12.11.2002
- Matthäus Fellinger
Sie half, ohne für sich selbst etwas zurückzubehalten: die heilige Elisabeth von Thüringen (19. November).
Es war im Jahr 1226. Ein Hungerjahr! Damals ließen sich Ernteausfälle nicht einfach durch Importe ausgleichen. Elisabeth war besser dran. Als Frau des Landesfürsten Ludwig brauchte sie den Hunger nicht fürchten. Während die Bevölkerung praktisch nichts mehr zu essen hatte, gab es auf der Wartburg Vorräte. Elisabeth ließ – unter dem Schimpf der Verwandten – die Speicher öffnen, ließ die Vorräte verteilen.
Sie teilte mehr als das Korn. Sie teilte auch die Unsicherheit, ob man überhaupt überleben könne. Und sie mutete das auch dem Herrscherhaus zu. Nach dem Tod ihres Mannes wurde Elisabeth von der Wartburg vertrieben. Die 24 Jahre, die sie gelebt hat, zählen zu den spannendsten Lebensgeschichten. Vermögend auf der einen Seite – und mutig, dieses Vermögen bis zur letzten Reserve einzusetzen, wenn es um ein höheres Gut ging.
Elisabeth wurde selbst zur Bettlerin, fand trotzdem Unterstützung, erhielt ihr Vermögen zurück und baute dafür ein Spital. Die Gründerin wurde allerdings nicht Chefin des Hauses, sie arbeitete vielmehr als Pflegerin. Eine verpfuschte Karriere einer einstigen Fürstin? Sie erlebte es anders. Schließlich hatte Elisabeth in der Zeit ihrer Obdachlosigkeit sogar einen Heiratsantrag des Kaisers Friedrich erhalten – und ausgeschlagen.
Als sie – 24-jährig – starb, ist sie sehr glücklich gewesen. In ihrer Todeskrankheit, so wird berichtet, strahlte eine Art „kindlicher Heiterkeit“ von ihr aus. Todkrank soll sie noch ihre letzten Sachen verschenkt haben.Die moderne Psychologie benennt Gründe: Nur wer loslassen kann, kann glücklich werden. Wer hingegen ständig dem verhaftet bleibt, was er hat, blockiert sein eigenes Glück. Die Bibel sagt es ganz schlicht: Wer sein Leben hingibt, wird es gewinnen.
Die heilige Elisabeth ist bis an den Rand des Möglichen gegangen. Wenn es um das Wohl eines Kranken oder Armen ging, tat sie alles, was sie konnte. Das Argument, dies wäre unvernünftig, ließ sie nicht gelten. Schicksalsschläge erscheinen so in einem anderen Licht. Ein Vogel sang an ihrem Bett, als sie starb, erzählt die Legende. Und Elisabeth sang mit. Sie musste sich eben nicht, wie ihre reichen Verwandten, Sorgen um ihr Erbe machen.